Selbst wenn dir einer die Kehle zudrückt – halte aus und hilf durch dein Schweigen

von Peter Ratzka

Diesen weisen Satz sagte wohl einst Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr – 65 n. Chr., römischer Politiker, Rhetor, Philosoph und Schriftsteller). Und recht hatte er, wie uns folgende Geschichte beweist:

Der Willi war des Nachts auf dem Heimweg aus der Kneipe. Es war dunkel, wie es des Nachts so üblich ist. Auf dem Heimweg geschah nichts spannendes, so dass er sich, wohl mit einigem Getöse, von dem seine liebe Frau wach wurde, um ungefähr eine Stunde nach Mitternacht ins Bett legte.

In den nächsten Tagen bekam er Post von der Polizei, die Ladung zu einer Vernehmung als Beschuldigter. Leider vergaß der Willi, seinen Anwalt zu informieren. Vielmehr ging er zur Vernehmung. Dort wurde ihm der Vorwurf gemacht, dass er in besagter Nacht auf dem Heimweg aus der Kneipe mit einem Schlüssel zwei parkende Autos zerkratzt haben sollte. Dabei wurde er gar gesehen, von einem Nachbarn, ungefähr zwei Stunden nach Mitternacht.

Willi dachte, sich dagegen selbst verteidigen zu können (Irrtum) und fing auch gleich damit an (Fehler). Er holte weit aus, beschrieb den Kneipenabend, den Zeitpunkt seines Aufbruchs, diverse Geschehnisse auf dem Heimweg und auch den Heimweg selbst. Schließlich sagte er, er könne es gar nicht gewesen sein, denn schließlich sei er um die Zeit bereits daheim gewesen.

Eigenartigerweise glaubten die Polizeibeamten dem Zeugen mehr als dem Willi. Nur eines glaubten sie dem Willi, nämlich den beschriebenen Heimweg. Dumm nur, dass eben in den vom Willi begangenen Straßen mehrere weitere Fahrzeuge ebenfalls zerkratzt wurden.

Als die Beamten dies dem Willi mitteilten, schwante ihm, dass sein Reden doch nicht so klug gewesen war. Er verließ die Vernehmung und dachte endlich an seinen Anwalt.

Der Rest ist eine Geschichte mit Happy End. Willi beauftragte einen Strafverteidiger ...

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