"Sagen Sie, Herr Breu: Brauche ich einen Verteidiger?"

von Joachim Breu
Die Frage stellt sich, denn schon gesetzliche Honorare (Gebühren) sind für Normalsterbliche teuer. Aber Anwaltsleistung ist ihren Preis wert: Strafverfolger neigen zur Strafverfolgung, Gerichte zur Plausibiltätskontrolle - alternative Abläufe, die andere oder gar keine Straftat enthalten, werden spätestens in der Hauptverhandlung weder erwogen noch ernst genommen. Der Instanzverteidiger, der sein Handwerk versteht, kann dem Verfahren eine neue Richtung geben. Mir ist die Verteidigung in einem Fall häuslicher Gewalt angetragen worden, diesmal auf Täterseite. Mein zur Tatzeit erheblich alkoholisierter Mandant war körperlich geworden, als er auf die Kinder seiner Partnerin aufzupassen hatte und sich anders nicht durchsetzen konnte. Es folgten der zivilrechtliche Rauswurf, die polizeirechtliche Wegweisung und im Nachgang ein Strafverfahren wegen Körperverletzung; die Kindesmutter = Partnerin hatte unverzüglich einen Strafantrag unterschrieben, die Staatsanwaltschaft in der Anklage das "besondere öffentliche Interesse" bejaht. Das örtlich zuständige Jugendamt wurde am Tatnachmittag bereits informiert, der Kinder- und Jugendnotdienst suchte die Familie auf und bot Unterstützung an. Darüber hinaus hieß es: Wenn sie den Angreifer je wieder in ihre Wohnung lasse, müssten Maßnahmen zum Schutz der Kinder eingeleitet werden, auch eine In-Obhut-Nahme käme in Betracht.
Keine Pflichtverteidigung § 140 StPO,
keine Prozesskostenhilfe für Angeklagte oder Beschuldigte Die 'normale' Körperverletzung ist kein Verbrechen, also gibt es nicht automatisch einen Pflichtverteidiger, § 12 StGB, § 140 Abs. 1 StPO. Auch gilt bei uns, dass der Pflichtverteidiger zwar vom Staat mit niedrigeren Sätzen als sonst vorfinanziert wird, die Abrechnung am Ende bleibt aber nur bei einem Freispruch aus ...Zum vollständigen Artikel


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