Verkehrsunfall: Restwertangebot der Versicherung abzuwarten?

von Sandra Voigt

Wer in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde, muss sich anschließend mit der gegnerischen Versicherung auseinandersetzen. Die wird in der Regel alles versuchen, um ihre Leistung so weit wie möglich zu kürzen. So macht sie oftmals sehr hohe Restwertangebote für den Unfallwagen des Geschädigten. Denn der Restwert wird vom sog. Wiederbeschaffungswert – also dem Wert des Kfz vor dem Unfall – abgezogen, was den zu ersetzenden Schaden verringert und daher für den Versicherer günstig ist.

Verkauft das Unfallopfer sein beschädigtes Fahrzeug jedoch, ohne ein Restwertangebot der gegnerischen Versicherung abzuwarten, stellt sich die Frage, ob dies den Versicherer zur Kürzung seiner Leistung berechtigt.

Geschädigter verkauft Unfallwagen

Nachdem sein Kfz bei einem Verkehrsunfall stark beschädigt worden war, beauftragte ein Autofahrer einen Sachverständigen mit der Ermittlung des Fahrzeug-Restwerts. Zu diesem Zweck holte der Gutachter vergleichbare Angebote auf dem regionalen Markt ein – dabei wurde er allerdings nur zweimal fündig. Kurze Zeit später verkaufte das Unfallopfer seinen Wagen, ohne das zuvor angekündigte Restwertangebot der gegnerischen Versicherung abzuwarten.

Die regulierte daraufhin nur einen Teil des Schadens und begründete ihr Verhalten damit, dass der Geschädigte gegen seine Schadensminderungspflicht nach § 254 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) verstoßen habe. Er hätte nämlich vor dem Kfz-Verkauf erst ihr Restwertangebot abwarten müssen – das wäre erheblich höher ausgefallen als der Kaufpreis, den er tatsächlich für den Wagen erhalten habe. Hätte der Geschädigte seinen Wagen an den Restwerthändler verkauft, hätte sich der von der Versicherung zu regulierende Schaden somit erheblich verringert. Dieses Vorgehen der gegnerischen Versicherung wollte das Unfallopfer nicht akzeptieren – es klagte daher auf Zahlung des bisher zurückbehaltenen Schadenersatzbetrags ...

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