Saalverhaftung mal anders

von Thomas Wings

Saalverhaftungen sind so ziemlich das letzte, was man sich als Verteidiger wünschen kann. Eine Saalverhaftung, da kommt der Mandant als freier Mann und verlässt den Saal nach der Verhandlung in Richtung Zellentrakt. Meist sind dann auch die akuten Verteidigungsmöglichkeiten dagegen sehr beschränkt. Man kann natürlich an Ort und Stelle Beschwerden erheben – wann darüber jedoch entschieden wird, hängt neben dem Druck, den man als Verteidiger auf das Gericht aufzubauen in der Lage ist, auch von der Laune und dem Freizeitplan des hohen Gerichts ab – wenn man in der Sache überhaupt eine Chance hat, der Verhaftung etwas entgegenzusetzen.

Gestern war es dann mal wieder so weit. Mit einem kleinen, bemerkenswerten Unterschied: Dem Mandanten und mir war schon im Vorfeld sonnenklar, dass der Mandant an diesem Verhandlungstag verhaftet werden wird. Er war schon vor einiger Zeit zu einer bzw. mehreren Haftstrafen verurteilt worden. Diese musste er nicht antreten, weil er seine Taten im Zusammenhang mit Drogenkonsum begangen hatte und eine Drogentherapie angetreten hat. Wenn die Voraussetzungen des § 35 BtMG vorliegen, braucht der oder die Verurteilte nicht ins Gefängnis, wenn eine Drogentherapie (meist 6-12 Monate lang und stationär) absolviert wird. Endet diese Therapie erfolgreich, wird der Rest der Freiheitsstrafe unter Anrechnung der Therapiezeit zur Bewährung ausgesetzt.

Der -schwer heroinabhängige- Mandant hat auch mit der Entgiftung begonnen ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK