LG Saarbrücken: Identifizierende Berichterstattung auf bild.de untersagt

von Kathrin Berger

Der Sensationsjournalismus wird, so habe ich den Eindruck, durch die sozialen Medien mehr und mehr befeuert. Das „Teilen“ von Unfallbildern oder das Abonnieren ganzer Channels, die ausschließlich über möglichst blutige Unfälle der Region berichten, ist sehr beliebt.

Mit großem Eifer hatte sich so auch die Boulevardpresse in Gestalt von Bild.de und einem einschlägig spezialisierten Reporter auf einen Unfall gestürzt, bei dem ein 16-jähriges Mädchen aus dem Fenster eines Wohnhauses gefallen war und sich verletzt hatte. Natürlich war der Artikel reichlich bebildert: Fotos des Mädchens im Krankentransportstuhl – zwar verpixelt, aber dennoch erkennbar – sowie Fotos des Elternhauses der Verunfallten, aus dessen Fenster sie gestürzt war. Die Verpixelung ließ die Kopfform des Mädchens, die linke Gesichtspartie, die Haare, Statur und Kleidung erkennen. Zudem waren das Alter und der Wohnort des Mädchens sowie weitere Details angegeben.

Der Text des Berichtes bestand im Wesentlichen aus angeblichen Angaben eines „Polizeisprechers“, der geäußert haben soll:

„Das Mädchen war tagsüber mit seiner Schwester am (…)-See zum Feiern. Dabei verlor die Schwester sie mehrfach aus den Augen. Es ist möglich, dass das Mädchen unter Drogen stand.“

Es wurde auch berichtet, dass die Polizei „Alkohol oder Selbstmordgedanken“ ausschließe. Tatsächlich war die Unfallursache zum Zeitpunkt des Unfalls noch nicht klar.

Das Landgericht Saarbrücken hat mit mittlerweile rechtskräftigem Urteil vom 16.07.2015 (4 O 152/15) die geschilderte Berichterstattung auf bild.de untersagt.

Das Gericht stellte fest, dass das Mädchen in dem Artikel von anderen erkannt werden konnte. Bei dem Fenstersturz als persönlichem Unglücksfall gebe es jedoch keinen Grund eine öffentliche Berichterstattung zu lancieren, die eine Identifizierung der Verunfallten zulässt ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK