Langer Atem lohnt

von Thomas Wings

Fast auf den Tag ein Jahr ist es her, da haben wir vor dem Amtsgericht Gelsenkirchen-Buer eine etwas nervenaufreibende Verhandlung hinter uns gebracht. Angeklagt war ein Schalkefan, der im Stadion ein bengalisches Feuer entzündet haben soll. Etwa 20 Fackelträger gab es während dieses Spiels. Neben der Rauchentwicklung der Bengalos entzündete sich versehentlich ein zuvor benutztes Transparent auf einer Werbebande, die sich auch entzündete – beides wurde nach kurzer Zeit gelöscht. Damals wurde von uns ein Befangenheitsantrag gestellt, da die damalige Richterin erstens schon andere Verfahren anderer Fackelträger verhandelt (und drakonisch abgeurteilt) hat und sich zudem wenig offen für mögliche Alternativgeschehnisse zeigte. Das ist halt das blöde, wenn man nicht alles in einem Verfahren verhandelt, sondern aus einem Verfahren 19 verschiedene macht mit immer der selben Beweisaufnahme.

Zwar wurde der Befangenheitsantrag formal (mit den üblichen, schwachen Gründen) abgelehnt, dennoch war schon damals klar, dass die Richterin das Gericht verlassen und wir eine neue Richterin bekommen würden. Nach einigen weiteren Anläufen kam es dann heute endlich zu unserem Verfahren. In der Zwischenzeit wurden für die anderen Beteiligten teilweise drakonische Strafen ausgesprochen. Ein Beteiligter wurde sogar zu einer vollstreckbaren Haftstrafe verurteilt (wobei dazu noch andere Vorwürfe vorgelegen haben müssen), die meisten der anderen bekamen Bewährungsstrafen von 6-9 Monaten oder -wenn es das Alter zuließ- Jugendarrest, einer kam mit einer Geldstrafe davon und bei zweien kam es zu Einstellungen. Ganz witzig ist die Anekdote bei dem Geldstrafen-Kandidaten – dort berichten Augenzeugen davon, dass die Schöffen sich in einer Pause auf dem Flur sinngemäß so unterhalten haben, dass das alles nicht so schlimm sei – schließlich hätten sie, die Schöffen, damals in Mailand auch gezündelt ...

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