Dazu sage ich nichts (mehr)

von Carl Christian Müller

Das mit den Rechten des Angeklagten ist so eine Sache. Es hilft dem Angeklagten nichts, wenn er Rechte hat. Er muß auch damit umzugehen wissen.

Der Angeklagte hat das Recht zu schweigen, ohne daß aus diesem Schweigen der Schluß gezogen werden darf, der Angeklagte habe etwas zu verbergen. Nicht immer ist es von Vorteil, von diesem Recht Gebrauch zu machen, da der Angeklagte sich dann eben auch die Möglichkeit nimmt, mit eigenen Worten seine Sicht der Dinge zu schildern. Zwar lassen sich Einlassungen des Angeklagten gegebenfalls auch auf andere Weise in die Hauptverhandlung einführen. Die Wirkung des persönlichen Eindrucks, welchen ein Angeklagter durch seine Einlassung bei Gericht hinterlassen kann, sollte indes nicht unterschätzt werden.

Gegenteilig kann der Eindruck aber auch verheerende Folgen haben. Auch wenn der Verteidiger von der Unschuld seines Mandanten überzeugt ist, wird der Verteidiger ihm möglicherweise raten zu schweigen. Manche Mandanten sind angesichts der Hauptverhandlung derart aufgeregt, daß sie sich förmlich um Kopf und Kragen reden würden. Mir sind insbesondere Angeklagte im höheren Lebensalter in Erinnerung, die mir berichteten, schon Tage vor der Hauptverhandlung kaum noch Schlaf gefunden zu haben. Einmal stand gar ein älterer Mann vor mir, der in einer bloßen Zivilsache, die ihn zudem selbst in keiner Weise betraf, als Zeuge aussagen sollte und hierdurch derart von der Rolle war, daß er mir sein Anliegen kaum vermitteln konnte. Der persönliche Eindruck, den ein solcher Zeuge vermittelt, könnte – je nach Anklagevorwurf – nachteilig sein ...

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