Korrektur des Rücktrittshorizonts

Die Frage, ob nach den Rechtsgrundsätzen zur Korrektur des Rücktrittshorizonts von einem beendeten oder unbeendeten Versuch auszugehen ist, bedarf insbesondere dann eingehender Erörterung, wenn das angegriffene Tatopfer nach der letzten Ausführungshandlung noch – vom Täter wahrgenommen – zu körperlichen Reaktionen fähig ist, die geeignet sind, Zweifel daran aufkommen zu lassen, das Opfer sei bereits tödlich verletzt, namentlich wenn es noch in der Lage ist, sich vom Tatort fortzubewegen.

BGH ; Beschluss vom 17.12.2014 – 2 StR 78/14

Examensrelevanz: §§§ – Der Rücktritt vom Versuch ist ein Standardthema!

Relevante Rechtsnormen:§ 24 I StGB

Fall: Das LG verurteilte den Angekl. wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und wegen Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 10 Jahren und traf eine Adhäsionsentscheidung zu Gunsten der Nebenkl.
Nach den Feststellungen fügte der Angekl. der Nebenkl. mit einem Küchenmesser – Klingenlänge ca. 15 cm – in kurzer Folge insgesamt 11 Stich- bzw. Schnittverletzungen zu, davon jeweils 2 im Rückenbereich und in der linken Schulterregion, um sie zu töten. Der Nebenkl. gelang es, sich aus der Umklammerung des Angekl. zu lösen, diesen wegzuschubsen, über den Wohnungsflur ins Treppenhaus des 4. Obergeschosses des Mehrfamilienhauses zu rennen und „um Hilfe schreiend die Treppe hinunter“ zu laufen.
Der Angekl. verfolgte die Nebenkl. nicht, sondern schloss die von der Nebenkl. bei ihrer Flucht offen gelassene Wohnungstür. Er begab sich ins Wohnzimmer, öffnete ein Fenster, um zu sehen, „ob die Nebenkl. das Haus verlässt, und weil er auch wissen bzw. feststellen wollte, wie schwer die Nebenkl. durch sein Einwirken verletzt worden war“. Lebensgefährliche Verletzungen der Nebenkl. hielt er für möglich.
Als er „festgestellt hatte, dass die Nebenkl ...

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