Was ist der Verlust beider Nieren wert?

von Liz Collet

Diese Frage beschäftigte das Oberlandesgericht Hamm im Fall einer jugendlichen Patientin.

Diese hatte nach einem groben Befunderhebungsfehler ihrer Hausärztin beide Nieren verloren, war dialysepflichtig und musste sich in der Folgezeit 53 Folgeoperationen unterziehen. Zu diesen gehörten auch zwei erfolglose Nierentransplantationen.

Die Entscheidung ist aus mehreren Gründen interessant, es bleibt – das sie derzeit noch nicht rechtskräftig ist – abzuwarten, ob sie auch den BGH noch beschäftigen wird.

  1. Abgesehen davon, dass sie widerspiegelt, dass Transplantationen entgegen verbreiteter (irriger) Meinung mitnichten das 100% funktionierende Allheilmittel von Organerkrankungen oder -ausfall oder für dialysepflichtige Patienten sind, selbst dann nicht, wenn mehrere Male eine Nieren- oder andere Organtransplantation erfolgen, muss die Entscheidung auch hinsichtlich der Begründung für die Haftung und ihren Umfang kritisch betrachtet werden.
  2. Die Entscheidung stützt sich auf eine Beweislastumkehr zugunsten der Patientin aufgrund von Befunderhebungsfehlern, ohne Aspekte eines etwaigen Mitverschuldens der Patientin und ihrer Eltern ernsthaft zu berücksichtigen. Die unterbliebene Mitwirkung von Patientin für bereits empfohlene Maßnahmen trotz weiterer ernsthafter Symptome und damit der Mangel an Compliance bereits in diesem Stadium der ärztlichen Betreuung hätte durchaus einer tiefergehenden Beleuchtung durch das Gericht verdient.
  3. Nicht nur für die Frage eines Mitverschuldens an sich, sondern auch für den Umfang der späteren Folgen, die auch die Höhe des Schmerzensgeldes mit begründeten ...
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