LG Stuttgart: Erforderlichkeit der Sachverständigenkosten nur indiziert, wenn der Geschädigte sie bezahlt

von Alexander Gratz

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Die Rechtsprechung zum Schadensrecht geht davon aus, dass nach einem Verkehrsunfall ein Sachverständigengutachten, das der Geschädigte in Auftrag gibt, erforderlich sein kann und die Rechnung des Sachverständigen insoweit ein Indiz für die Schadenshöhe darstellt. Unter Hinweis auf das BGH-Urteil vom 22.07.2014 verlangt das LG Stuttgart nun vom Geschädigten, dass dieser die Rehnung bezahlt hat. Andernfalls greife die Indizwirkung nicht. Übrigens: Das LG lastet dem Geschädigten ein Mitverschulden an, wenn dieser im Großraum Stuttgart einen mehr als 25 km entfernten Sachverständigen beauftragt und kürzt entsprechend die Fahrtkosten (Urteil vom 29.07.2015, Az. 13 S 58/14).

3. Zum Zweck der Erstellung eines Schadensgutachtens, welches regelmäßig von der Haftpflichtversicherung des Schädigers vorausgesetzt wird, darf sich der Geschädigte daher damit begnügen, den ihm in seiner Lage ohne weiteres erreichbaren KfZ-Sachverständigen zu beauftragen. Er muss - wie auch das Amtsgericht völlig richtig ausführt - nicht zuvor eine Marktforschung nach dem honorargünstigsten Sachverständigen betreiben (BGH a.a.O. sowie im Urteil vom 22.07.2014, Az. VI ZR 357/13). Der Bundesgerichtshof hat in Abkehr seiner Rechtsprechung vom Urteil vom 11.02.2014 (Az. VI 225/13) im Urteil vom 22.07.2014 (Az. VI ZR 357/13) darauf hingewiesen, dass der Geschädigte seiner ihn im Rahmen des § 249 BGB treffenden Darlegungslast nicht schon allein durch die Vorlage der Rechnung des in Anspruch genommenen Sachverständigen (so noch im Urteil vom 11.02.2014, Az. VI ZR 225/13), sondern ausschließlich durch Vorlage der von ihm beglichenen Rechnung des mit der Begutachtung seines Fahrzeugs beauftragten Sachverständigen genügt ...

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