Pflichtteil für Geschwister? – Zur Diskussion

von Jürgen F. Berners

Pflichtteilsberechtigt sind

  • Kinder des Erblassers
  • Eltern des Erblassers
  • und der Ehegatte des Erblassers

Kaum einer weiß, dass der Pflichtteil sogar vererbbar ist. Auch auf Geschwister?

1. Der „Normalfall“

Gehen wir mal von folgendem Beispiel aus:

Der lebensfrohe Witwer hat seine hübsche junge Freundin als Alleinerbin testamentarisch eingesetzt und nicht seinen einzigen lebenden Sohn. Der Witwer verstirbt.

Der Sohn wird seinen Pflichtteil verlangen. Nach § 2303 BGB kann ein Abkömmling des Erblassers, der durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen ist, vom Erben den Pflichtteil verlangen.

Vorliegend ist die Freundin zur Alleinerbin eingesetzt und damit der Sohn testamentarisch von der Erbfolge ausgeschlossen; er kann den Pflichtteil von ihr verlangen.

2. Abwandlung

Der Sohn freut sich über seinen Pflichtteil und verlangt ihn. Doch die Freude währt nur kurz; er verstirbt und hinterlässt wiederum seinen Sohn=Enkel des lebenslustigen Witwers.

Steht dem Enkel der Pflichtteil seines Vaters zu?

Nach § 2317 Abs. 2 BGB ist der Pflichtteilsanspruch vererblich. Erbe des verstorbenen Vaters ist dessen Sohn, nach § 1924 Abs. 1 BGB sind die gesetzlichen Erben erster Ordnung die Abkömmlinge des Erblassers. In unserem Fall wird also der Enkel durch den Tod des Vaters zu dessen Erbe.

3. Fall mit Geschwister

Unser lebenslustiger kinderloser Erblasser E setzt seine ihm eng verbundene junge hübsche Freundin zur Alleinerbin ein und verstirbt. Der Vater V unseres Erblassers lebt noch und sieht dies ungern. Er verlangt von seinem Sohn den Pflichtteil ...

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