Systemverständnis oder Auswendiglernen? Eine Stellungnahme anhand des Rücktrittsfolgenrechts

Systemverständnis oder Auswendiglernen? Eine Stellungnahme anhand des Rücktrittsfolgenrechts

Allzu oft liest oder hört man in der juristischen Ausbildung, dass im Studium einzig das Systemverständnis gefordert sei, nicht aber ein Auswendiglernen. Das unterscheide uns von den anderen Studiengängen, in denen ein stures Einprägen von Fakten zu guten Prüfungsnoten ausreiche.

Nun, das mag bis zu einem gewissen Grad zutreffend sein, in dieser Allgemeinheit halte ich die Aussage aber für realitätsfremd. Gerade zu Beginn des Studiums muss man sich scheinbar endlos viele Schemata einprägen, um überhaupt den richtigen Aufbau der Lösung als den heiligen Gral zu beherrschen. Wer hier sein (unter Umständen großes) Detailwissen diffus ohne jeglichen Aufbau „ausspuckt“, hat keine Chance, eine Prüfung zu bestehen. Dem Einwand, dass sich die Tatbestandsvoraussetzungen der Norm aus dem Gesetz ergeben, lässt sich entgegenhalten, dass es auch ungeschriebene Tatbestandsmerkmale gibt und auch eine bestimmte Reihenfolge bei der Prüfung dieser einzuhalten ist. Und das kann man nur durch Auswendiglernen meistern. Des Weiteren ist zwingend eine bestimmte Reihenfolge bei der Prüfung der jeweiligen Anspruchsgrundlagen einzuhalten, sodass jedenfalls vom Grundsatz her vertragliche Ansprüche vor gesetzlichen zu erörtern sind etc. Letztlich gibt es auch zahlreiche Meinungsstreitigkeiten, die sich der Normalsterbliche im Zweifelsfall in einer Klausur sicherlich nicht aus dem Gesetz ableiten kann.

Die Prämisse, dass auch das Jurastudium sehr viel Auswendiglernen erfordert, soll anhand eines kleinen Beispiels aus dem Rücktrittsfolgenrecht dargestellt werden ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK