Welche Wirklichkeit?

von Gerfried Braune

Die Phase der Konfliktdarstellung ist nach der Einleitung die erste richtige Station der Konfliktbearbeitung in der Mediation. Die Mediandinnen und Medianden rhalten nun die gelegenheit, den Konflikt und dessen bisherigen Verlauf aus ihrer jeweiligen Sicht darzustellen und die jeweilig andere Mediandin/Mediand hören zu und sollen (dafür sorgt die/der Mediator/-in) die/den anderen Mediandin/Medianden nicht unterbrechen sondern bis zu Ende ausrecden lassen. Das fällt mancher/m Mediandin/Medianden schwer.

Und wozu das Ganze? Ziel ist nicht, dass sich die Medianinnen/Medianden gegenseitig von der Wahrheit ihrer eigenen Sichtweise überzeugen. Es geht vielmehr darum, dass die Mediandinnen/Medianden begreifen, dass jede(r) seine eigene, ganz individuelle Sichtweise hat, die (höchstwahrscheinlich) von der eigenen Sichtweise abweicht, wenn nicht sogar das Gegenteil darstellt. Es geht auch darum, deutlich zu machen, dass diese Abweichenden Sichtweisen nichts damit zu tun haben, dass eine(r) die Unwahrheit sagt, sondern dass diese Unterschiedlichkeit normal ist.

Es ist mittlerweile wohl wissenschaftlich gesichert, leider den meisten Menschen völlig unbekannt, dass unsere Erinnerung mit der Wahrheit (sofern es eine solche überhaupt gibt) nur marginal etwas zu tun haben ...

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