Strafanzeige gegen Anwälte: Zschäpes kalkulierter Amok-Lauf

von Holger Schmidt

Angezeigt: Strafverteidiger Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl (Foto: Archiv Hauzenberger)

In der Krise zwischen Beate Zschäpe und ihren drei „alten“* Pflichtverteidigern Heer, Stahl und Sturm werden die Superlative knapp. Die Pauke wurde schon mehrfach geschlagen, der Bruch beschrieben, die Eskalation nachvollzogen und eine Nachrichtenagentur erwarte das Platzen des Prozesses schon vor Jahresfrist. Doch noch immer geht der „NSU-Prozess“ weiter – und viel spricht dafür, dass er das auch nach dem heutigen Verhandlungstag tun wird, dem ersten seit Bekanntwerden einer Strafanzeige von Beate Zschäpe gegen ihre „alten“ Anwälte. Trotzdem stellen sich zwei Fragen: Wie ernst ist die Lage nach der Strafanzeige – und warum tut Beate Zschäpe, was sie tut? Ist es ein finaler Amok-Lauf?

Wollte man Anträge und Gegenanträge auf Entpflichtung in den letzten 12 Monaten zusammenfassen, würde sich eine Zeichnung mit vielen Pfeilen anbieten: Zschäpe gegen ihre Verteidiger, Zschäpe gegen Sturm, Zschäpe gegen Heer, die Verteidiger gegen Zschäpe – und das scheint noch nicht einmal alles zu sein. Alle Anträge hatten dabei bislang eines gemeinsam: Sie enthielten nichts, was eine Entpflichtung rechtfertigen würde. Bei Zschäpe nicht, weil sie zwar einen tiefen Blick in ihr Innerstes zuließ, dabei aber nichts auf Papier bringen konnte, was wirklich getragen hätte. Bei den Anwälten nichts, weil diese selbst erklärten, mit Rücksicht auf ihre Pflichten gegenüber Zschäpe nicht so darlegen zu können, wie sie wohl gewollt hätten.

Mit Blick auf die Anwälte ist es recht einfach: Sie konnten wohl kaum anders. Das Mandatsgeheimnis bindet sie, Plaudern aus dem Verhältnis zu Beate Zschäpe ist standes- und strafrechtlich verboten, viel mehr, als die Geste des Antrags bleibt ihnen nicht. Allerdings versteht kaum ein Beobachter, warum diese Geste nicht schon sehr viel früher dargeboten wurde ...

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