Fall "Yagmur" - Jugendamts-Mitarbeiter strafrechtlich unbelastet

von Joachim Breu
(c) Hamburger Morgenpost / Foto: RügaAm 18.12.2013 stirbt die dreijährige Hamburgerin Yagmur an inneren und äußeren Verletzungen. Als Täter werden ihre leiblichen Eltern Melek und Hüseyin identifiziert. Am 25.11.2014 spricht das Schwurgericht beide schuldig und verurteilt die Mutter zu lebenslang, den Vater zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Die Ermittlungen gegen die fallführenden Fachkräfte des Jugendamtes wurden jetzt - am 21.07.2015 kam die Pressemitteilung - ohne Anklage eingestellt. Es war ein weiterer Todesfall, der sozusagen unter Aufsicht des Hamburger Jugendamtes stattgefunden hatte, nur diesmal - anders als bei Chantal in 2012 - ging Yagmurs Tod nicht auf mangelnde Überwachung von Pflegeeltern zurück, sondern auf Mißhandlung durch die leiblichen Eltern. Die Bürgerschaft setzte einen Untersuchungsausschuss ein, der auf Seite 378 seines Abschlussberichtes zu der Erkenntnis findet, es müsse mehr dokumentiert und vorhandene Erkenntnisse müssten zuverlässig weiter gegeben werden. Damit hat er nicht das wahre Problem getroffen: Es fehlt vielen Sozial- und Jugendarbeitern an einer offenen Wahrnehmung aus Angst, sie könnten sich doch irren. Daran wird sich nichts ändern, wenn man die Aktenführung verbessert.

Ich räume ein - Pädagoge werde ich nicht mehr. Eigene Kinder kriege ich nicht mehr. Fremde Kinder allerdings sehe ich häufiger. Teils sind die über 30 Jahre alt und besitzen noch immer kein Folgedenken, also kein Prognosevermögen. Auch weil sie stets vom Leben abgeschirmt wurden, aber das ist ein weiteres modernes Phänomen. Als Verteidiger lebe ich jedenfalls davon. Zu meinem Job gehört es unter anderem, gegen Schulterschlusseffekte zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft und Polizei anzuarbeiten, die sich im Gang eines Ermittlungsverfahrens zeigen. Dann gehört dazu, dagegen anzuarbeiten, dass sich die Staatsanwaltschaft zu früh auf einen vermeintlich strafbaren Geschehensgang festlegt und entgegen § 160 Abs ...Zum vollständigen Artikel

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