Erst nach langer Zeit aufgefundenes Testament bleibt wirksam

von Hans Robert Ilting

Wenn ein eigenhändig verfasstes Testament erst lange Zeit nach dem Tod des Verfassers dem Nachlassgericht zur Eröffnung vorgelegt wird, begründet dies nicht unbedingt den Verdacht, es sei gefälscht. Einen solchen Fall hatte das Oberlandesgericht Frankfurt (Beschluss vom 15.10.2014) zu entscheiden.

Im Jahr 1991 war eine Mutter von drei Kindern verstorben und eines der Kinder reichte erst im Jahr 2012 beim Nachlassgericht ein von der Mutter unterzeichnetes handschriftliches Testament aus dem Oktober 1991 ein. Daraus ergab sich, dass eben dieses Kind Alleinerbe sein sollte. Es beantragte daher auch einen entsprechenden Erbschein.

Die übrigen Kinder, die 20 Jahre lang davon ausgegangen waren, alle drei zusammen seien Miterben, zweifelten die Echtheit des Testamentes an und wehrten sich gegen die Erteilung des Erbscheins. Die Vorinstanz bejahte die Echtheit des Testaments. Zwar müsse der Testamentserbe als Antragsteller die Formwirksamkeit eines Testaments notfalls etwa durch ein Schriftsachverständigengutachten nachweisen. Aber durch die bloße Behauptung einer Fälschung ohne konkrete Indizien dürfe ein Testament nicht einfach zu Fall gebracht werden. Nach Ansicht des Gerichtes hatten die übrigen Kinder nicht nachvollziehbar darlegen können, weshalb das Testament denn nun gefälscht sein sollte ...

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