Alkoholtherapie vor Kündigung

von Thorsten Blaufelder

Auch wiederholte unentschuldigte Fehltage berechtigen Arbeitgeber nicht immer zur Kündigung. Das gilt insbesondere für langjährige Mitarbeiter, deren Fehlzeiten auf Alkohol und aktuelle soziale Probleme zurückgehen, wie aus einem jetzt schriftlich veröffentlichten Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Rheinland-Pfalz in Mainz vom 05.05.2015 hervorgeht (AZ: 7 Sa 641/14). Gerade für Alkoholkranke habe ein stabiles Arbeitsumfeld ein besonders hohes Gewicht.

Im konkreten Fall muss der Arbeitgeber einem 1969 geborenen Staplerfahrer die Chance für eine Alkoholtherapie geben. Er arbeitet bereits seit 1990 in einem Lebensmittelumschlaglager. Seine Aufgabe ist es, die von den Filialen bestellten und von anderen Lagerarbeitern auf Paletten gepackten Waren zur Verladung zu den Lastern zu transportieren. Dabei ist es wichtig, dass die Ware morgens rechtzeitig bei den Geschäften ankommt.

Nach 23 unbeanstandeten Arbeitsjahren fehlte der Staplerfahrer im Juni 2013 erstmals unentschuldigt, wodurch sich die Beladung der Laster erheblich verzögerte. Der Lagerarbeiter erhielt eine Abmahnung. In den Folgemonaten kam es zu weiteren Fehltagen und weiteren Abmahnungen. Als der Lagerarbeiter im November 2013 für mehrere Tage unentschuldigt fehlte, erhielt er eine „letztmalige Abmahnung“.

Am 02.05.2014 erschien der Staplerfahrer erneut nicht bei der Arbeit. Er gab später an, er habe sich vertan und gedacht, es handele sich um einen für Ende Mai 2014 bewilligten Urlaubstag. Dennoch wurde er nun entlassen.

Mit seiner Klage trug der Lagerarbeiter vor, er sei alkoholkrank. Bereits vor acht Jahren habe er während seines privaten Urlaubs eine Therapie gemacht ...

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