Sex und Migräne gehören nicht in ein Bewerbungsschreiben

von Prof. Dr. Arnd Diringer

Erholen, Schlafen, Gymnastik, Zahnweh, Grippe, Migräne, Kunst und Sex. Zu diesen Themen hatte ein ALG II-Empfänger eine sog. Mottoliste verfasst, die er seinen Bewerbungen beilegte. Besonders erfolgreich war er damit wohl nicht und so untersagte ihm die Arbeitsagentur, diese Listen weiter an potentielle Arbeitgeber zu schicken.

Dagegen klagte der Betroffene. Er führte an, dass Bewerbungsverfahren „dem Ziel einer möglichst optimalen Stellenbesetzung“ dienen. „Daher sei eine Bewerbung nicht belohnungsorientiert, sondern authentisch abzufassen. Dazu gehöre für ihn die Beifügung der Mottoliste. Insoweit berufe er sich auch auf seine Grundrechte.“

Vor dem Landessozialgericht Hamburg (LSG Hamburg, Urt. v. 16.06.2011 – L 5 AS 357/10) hatte er mit dieser Argumentation keinen Erfolg.

Die Anweisung der Arbeitsagentur ist nach Meinung der Hamburger Richter rechtmäßig, da die Bewerbungsunterlagen mit der Mottoliste „nicht geeignet sind, eine erfolgreiche Bewerbung zu unterstützen, sondern diese vielmehr mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindern werden“.

Das ergibt sich „daraus, dass es den Üblichkeiten von Bewerbungsverfahren offensichtlich widerspricht, Darlegungen über die innersten Einstellungen und Anschauungen zu Sexualität und Geistes- bzw. Gefühlswelt vorzulegen ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK