Oft gefragt, kurz geantwortet: Sind Schrifttypen urheberrechtlich geschützt?

Jeder nutzt automatisch und wie beiläufig verschiedene Schriften, am Arbeitsplatz und privat, ganz als ob sie eine Art allgemeines Kulturgut wären. Dabei ist es recht aufwendig und kostspielig, eine neue Schrifttype zu entwickeln. Und die verwendete Schrifttype sagt etwas aus, ganz egal, wo sie verwendet wird, egal, ob es sich um ein Logo handelt, eine Zeitung oder eine Website oder eine Visitenkarte. Die Schrifttype ist individueller Ausdruck zum einen und ruft zum anderen im Adressaten bestimmte Vorstellungen hervor. Irgendwo war vor kurzem einmal die Nachricht zu lesen, dass als kompetenter eingeschätzt wird, wer in Times New Roman schreibt.

Wenn Schrifttypen solcherlei Bedeutung zukommt, sind sie dann auch urheberrechtlich oder in sonstiger Weise geschützt?

Was den urheberrechtlichen Schutz betrifft, kann man sagen: Theoretisch ja, praktisch jedoch kaum. Grundsätzlich kommt zwar, genauso wie für jede andere Gestaltung auch, ein solcher Schutz in Betracht. Wie auch sonst immer gilt es aber, eine bestimmte Hürde zu überspringen: Die Schöpfungshöhe. Ob sie erreicht wird, hängt von der Individualität ab. Das dürfte bei sog. Brotschriften (Gebrauchsschriften) kaum je der Fall sein, kommt bei Zierschriften wegen ihres dekorativen Charakters aber in Betracht.

Grundsätzlich ist urheberrechtlicher Schutz also möglich, es kommt jedoch auf die Gestaltung im Einzelfall an. Der BGH hat das sehr schön folgendermaßen formuliert (Urteil vom 30. Mai 1958, I ZR 21/57, BGHZ 27, 351 (Candida)):

„Auch für den gewöhnlichen Gebrauch bestimmte Schriften (sog. Brotschriften) können Kunstschutz genießen ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK