Haftungsfalle für Erbrechtler: In USA und GB gibt es keine transmortale Vollmacht

von Bernhard Schmeilzl

Jede Woche ruft mindestens ein empörter Erbe bei mir an und beschwert sich darüber, dass eine englische oder amerikanische Bank so unglaublich begriffsstutzig sei, dass deren Mitarbeiter nicht verstünden, dass der Erbe mit einer deutschen transmortalen Vollmacht auf das Konto, den Fonds, das Schließfach etc zugreifen darf, auch ohne Erbschein. Der Vater des Anrufers habe die Vollmacht auf Anraten seines deutschen Anwalts doch extra deshalb als über den Tod hinaus gültig ausgestaltet, damit die Erben dann später nicht extra einen teuren englischen oder amerikanischen Erbschein (Grant of Probate) beantragen müssen (Details hier). Der Anwalt sei ganz stolz gewesen und habe die Gestaltung als tolle Idee verkauft. Die Banken würden nun aber herumzicken und stur einen vom englischen Gericht ausgestellten Erbschein verlangen. Ich sei doch Experte für deutsch-britische Erbfälle und solle das diesen Idioten von Barclays, Lloyds, HSBX nun endlich klar machen, damit die das Guthaben freigeben.

Nun, die schlechte Nachricht für den Anrufer (und dessen früheren Anwalt): Die Banken haben leider Recht. Im gesamten Common Law System gibt es keine Vollmachten über den Tod hinaus. Transmortale Vollmachten werden nicht akzeptiert. Englische Solicitors haben den Begriff in aller Regel überhaupt noch nie gehört und schauen einen verständnislos bis mitleidig an, wenn man etwas von “transmortal powers of attorney” erzählt, die in Germany üblich seien. In juristischen Kommentaren findet man dazu nur den schlanken Satz: “Under the common law, a power of attorney becomes ineffective if its grantor dies.” Mehr gibt es dazu aus Sicht des Common Law Juristen nicht zu sagen ...

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