Berichte aus der Parallelwelt, Teil 8 – „Du sollst Dir kein Bildnis machen“ – oder doch?

von Katharina Reber

Berichte aus der Parallelwelt, Teil 8 – „Du sollst Dir kein Bildnis machen“ – oder doch?

Von Katharina Reber, 20. Juli 2015

Worüber Max Frisch in der Mitte des 20. Jahrhunderts philosophierte und was schon in der Bibel als drittes der Zehn Gebote geschrieben steht, hat mit dem Beschluss des LG Berlin vom 19.05.2015, Az. 16 O 175/15- eine ganz neue Facette erlangt.

Licht, Ausschnitt, Winkel – das alles sind Überlegungen, die zu einem Lichtbild führen. Und diese Überlegungen führen dazu, dass ein Bild nicht nur zu einem Bild, sondern zu einem schützenswerten, künstlerischen Produkt wird. Natürlich nur, wenn es sich um das Lichtbild eines gemeinfreien Gemäldes handelt.

Der Fotograf – ein Künstler. Auch wenn sein Motiv längst die Kunst eines Anderen war, dieser nur eben schon mindestens 70 Jahre das Zeitliche gesegnet hat. Oder diese. Bedeutet gemeinfrei also gemeinschaftlich? Der Besitzt von jedem und damit eigentlich von niemandem? Und wenn ich Caravaggios Medusa fotografiere, zurechtschneide, farblich anpasse. Hab ich es dann erschaffen? War das meine Idee? Bin ich rechtmäßiger Urheber dieses Lichtbildes eines Bildnisses, das de facto nicht aus meinem Pinsel, aber dafür aus meiner Linse kommt? Was Bedeutet das Urteil des LG Berlin für die Kunst und die Wahrnehmung von Kunst?

Das Bild zählt. Nicht die Abbildung.

Dass es einen Unterschied zwischen dem Recht am Lichtbild und dem Recht am Abgebildeten gibt. Denn dass kein Urheberrecht an der Medusa besteht, nur weil ein Lichtbild von ihr anfertigt wurde, ist selbstverständlich. Oder nicht mehr?

Verwirrung ...

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