Wieso Trojaner nicht in die Hände des Staats gehören

von Martin Steiger

Nachfolgender Meinungsbeitrag erschien ursprünglich unter dem Titel «Wer heute schon Trojaner einsetzt, verspottet unseren Rechtsstaat» in der NZZ am Sonntag vom 12. Juli 2015.

Das italienische Hacking Team verkauft Überwachungssoftware in alle Welt. Kunden sind vor allem autoritäre Staaten, die damit unter Verletzung der Menschenrechte gegen Aktivisten, Journalisten und Nichtregierungs­organisationen vorgehen. Für Reporter ohne Grenzen zählt das Hacking Team zu den «Feinden des Internets», Menschenrecht­sorganisationen kritisieren seit Jahren solche digitalen Waffen, und die Uno eröffnete sogar eine Untersuchung.

Nun wurde das Hacking Team selbst gehackt. Zahlreiche geschäftliche Unterlagen gelangten an die Öffentlichkeit und entlarvten auch die Kantonspolizei Zürich als Kundin. Gekauft wurde eine umfassende Trojaner-Infrastruktur, also ein Spionageprogramm, das gegen alle gängigen Computer und Smartphones eingesetzt werden kann. Dazu gehört auch der Kauf geheimer Sicherheitslücken in Software wie Microsoft Word oder dem Android-Betriebssystem.

Trojaner werden meist über solche geheimen Sicherheitslücken bei den Opfern der Überwachung eingeschleust. Möglichkeiten dafür bieten manipulierte Word-Dokumente in E-Mails, aber auch lokale WLANs und Websites können missbraucht werden – in der Korrespondenz mit der Zürcher Polizei wird etwa blick.ch erwähnt. Eingeschleuste Trojaner können vollständig auf das gehackte System und dessen Funktionen zugreifen. Sie können sämtliche Chats und E-Mails mitlesen, Mikrofone und Webcams unbemerkt verwenden sowie jegliche Nutzung überwachen. Dafür müssen Trojaner ein infiziertes System zwingend manipulieren, unter anderem für den Fernzugriff mittels Internet. Dateien und alle anderen Daten können spurlos gelöscht, hinzugefügt und verändert werden. Antivirus-Software wird deaktiviert, da sie den Trojaner entdecken könnte ...

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