Amtsrichter mit Fußfesseln vorgeführt

von Mirko Laudon

Am Morgen war der Richter auf der B68 (Halle/Westfalen), vermutlich auf dem Weg zur Arbeit von zwei Polizeibeamten aus dem Verkehr gezogen und in Handschellen in den Streifenwagen verbracht worden. Die Festnahme erfolgte aufgrund eines Haftbefehls wegen Körperverletzung und versuchter Nötigung, den ein Kollege unterzeichnet hatte. Im Amtsgericht wurde der 65-jährige Amtsrichter in eine Zelle verfrachtet und später dem Haftrichter vorgeführt. Ihm wurde vorgeworfen, nach einem Besuch im Bordell auf die „schiefe Bahn“ geraten zu sein.

Lücke zwischen Strafgericht und gesetzlicher Betreuung

Nun scheint es manchmal so, als ob Humor bei Strafrichtern eine Ausnahmeerscheinung sei. Dem ist allerdings zumindest nicht immer so, wie diese Begebenheit beweist, denn es handelte sich bei alledem um die Verabschiedung eines gedienten Strafrichters am Amtsgericht Halle (Westf.), mit dem ihm die lieben Kollegen und Freunde einen „unvergesslichen“ Abschied an seinem letzten Arbeitstag bereiten wollten. Das dürfte gelungen sein.

Der Haftrichter war der ehemalige Amtsgerichtsdirektor, der berichtete, dass es sich bei der Strafkammer um ein neu installiertes Seniorengericht handele, das die Lücke zwischen Strafgericht und gesetzlicher Betreuung schließen solle. Selbst ein Anwalt wurde dem Amtsrichter als Pflichtverteidiger bestellt, damit dieser seine Rechte wahrnehmen könne. Die Anklage verlas eine Oberamtsanwältin, die dem Pensionär darin zur Last legte, im Januar das Notruftelefon des Amtsgerichts benutzt haben, weil er angeblich im Schnee feststeckte. Ein Richter und zwei Rechtsanwälte hätten sich daraufhin sofort auf den Weg gemacht, um ihn zu befreien ...

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