Schockschaden wegen Unfalltodes naher Angehöriger

von Silke Wollburg

Bei der Beurteilung der Frage, ob psychische Beeinträchtigungen infolge des Unfalltodes naher Angehöriger eine Gesundheitsverletzung im Sinne des § 823 I BGB darstellen, kommt dem Umstand maßgebliche Bedeutung zu, ob die Beeinträchtigungen auf die direkte Beteiligung des „Schockgeschädigten“ an dem Unfall oder das Miterleben des Unfalls zurückzuführen oder ob sie durch den Erhalt einer Unfallnachricht ausgelöst worden sind.

BGH; Urteil vom 27.01.2015 – VI ZR 548/12

Examensrelevanz: §§§§ – Probleme des Schockschadens kommen in beiden Examina in der Prüfung vor. Die Anspruchsvoraussetzungen sollten beherrscht werden.

Relevante Rechtsnormen: § 253 II, § 823 I BGB

Fall: Der Kl. nimmt den beklagten Haftpflichtversicherer auf Ersatz immateriellen Schadens aus einem Verkehrsunfall in Anspruch. Am 29.04.2007 gegen 15.20 Uhr befuhr Herr W mit dem bei der Bekl. versicherten Fahrzeug die V. Straße in A. Hierbei überschritt er die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h um mindestens 58 km/h. Er war darüber hinaus in erheblichem Maße alkoholisiert. Nach einer langgezogenen Linkskurve kam Herr W von der Fahrbahn ab und geriet auf die Gegenfahrbahn, wo ihm der Kl. und – hinter diesem – dessen Ehefrau auf Motorrädern mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h entgegenkamen. Herr W. verfehlte den Kl. nur knapp und erfasste dessen Ehefrau, die bei der Kollision tödliche Verletzungen davontrug. Der Kl. begab sich infolge des Unfalls in ärztliche Behandlung bei seinem Hausarzt Dr. F. Dieser diagnostizierte eine akute Belastungsreaktion nach ICD F43.9 G. Im Februar 2008 zog der Kl. aus der vormaligen Familienwohnung aus. Seinen Beruf als Lkw-Fahrer gab er auf und wechselte in den Innendienst. Die Bekl. begehrt ein Schmerzensgeld von 12.000 € ...

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