Rezension: Das Knast-Dilemma (I)

Bernd Maelicke: Das Knast-Dilemma. Wegsperren oder resozialisieren? Eine Streitschrift. C. Bertelsmann: München 2015. 256 Seiten, 19,99 €.

Das ist schon mal klar: Gefängnisse sind teuer und weitgehend erfolglos. Zudem sind sie voller Gefangener, die zum überwiegenden Teil – mangels Gefährlichkeit – gar nicht dort hingehören und die man im Zeitalter der Kontrollgesellschaft ebenso gut oder sogar besser ambulant sanktionieren, kontrollieren, therapieren und vor allem auch (wieder) integrieren könnte. Doch in Deutschland herrscht eine große Ideenlosigkeit – auch und gerade in dem Bereich mit dem sprechenden Namen “Strafrechtspflege”. Es herrscht hier unter anderem, was Bernd Maelicke als “Sanktionsarmut” bezeichnet. Immer nur Geldstrafe oder Freiheitsstrafe. Entweder auf Bewährung oder eben nicht auf Bewährung. Sonst nichts. Und wer die Geldstrafe nicht zahlt, muss dann halt ins Gefängnis. Die Gefängnisse sind nicht zuletzt voller Leute, die nicht mal laut Strafurteil ins Gefängnis sollten, dann aber – per “Ersatzfreiheitsstrafe” – doch dort landen, wo sie allerlei Traumatisierungen und Frustrationen sowie vielleicht ungünstigen Kontakten ausgesetzt sind, die dafür sorgen, dass ihr Leben nach der Ersatzfreiheitsstrafe sehr viel schwieriger wird und sie vielleicht deshalb dann auch bald wieder zu Insassen werden. So kann sich ein im Grunde sinnloses System auch selbst beschäftigen und per Drehtür- und Kreisverkehr-Effekten selbst erhalten bis zum Sankt-Nimmerleinstag.

Diese Kritik am Gefängnis ist zwar so alt wie das Gefängnis selbst. Sie ist ein Dauerbrenner, der zum Diskurs über die Strafe gehört wie das Amen in der Kirche. Aber wo sie recht hat, hat sie recht. Meistens ist ihre Zielrichtung gradualistisch und reduktionistisch – auffallend selten abolitionistisch ...

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