Die Staatsanwaltschaft als erfolglose Verteidigerin eines Angeklagten

von Rainer Pohlen

Das passiert auch nicht alle Tage: In einem schon ein paar Wochen zurückliegenden Prozess wegen eines bewaffneten Raubüberfalls auf einen Kiosk machte sich die Staatsanwaltschaft mit Verve für eine Bewährungsstrafe gegen einen der 3 Angeklagten stark, aber das Gericht wollte dem nicht folgen. Es verhängte – allerdings moderate – Freiheitsstrafen gegen alle Drei.

Es ging in dem Verfahren vor dem Mönchengladbacher Landgericht um einen Vorfall aus dem vergangenen Oktober. Zwei junge Männer hatten am späteren Nachmittag im Mönchengladbacher Ortsteil Hockstein einen Kiosk betreten und die Bedienung mit einer Pistole bedroht. Dabei soll es auch zu einem leichten Tritt gegen das Schienbein der jungen Frau gekommen sein. Eine zufällig anwesende Freundin hatte diese dann in einen Nebenraum gezogen und die Tür geschlossen. Einer der beiden Täter klemmte sich gleich die gesamte Registrierkasse unter den Arm und dann rannten die Zwei mit tief in das Gesicht gezogener Kapuze über die Straße davon. Das wiederum fiel einem Autofahrer auf, der beobachtete, wie die beiden in etwa 120 Metern Entfernung vom Kiosk in einen dunklen Pkw stiegen, der gerade rückwärts in eine Grundstückseinfahrt gefahren war. Der Mann merkte sich das Kennzeichen und alarmierte die auch schon von der Kioskbedienung herbeigerufene Polizei. Die fand in der Grundstückseinfahrt eine Sonnenbrille, die einer der Täter dort verloren hatte und auf der sich deutlich sichtbare Fingerabdrücke befanden.

Über das Kennzeichen wurde der Fahrzeughalter ermittelt, und weil einer der Täter eine Pistole mit sich führte, wurde ein Sondereinsatzkommando hinzugerufen, welches dann unter Einsatz von Blendgranaten in die Wohnung des Halters eindrang. Dort wurden neben anderen Personen die beiden 20 und 24 Jahre alten Räuber und ein 40-jähriger Mann angetroffen, von dem sich dann herausstellte, dass er sich das Fluchtfahrzeug von dem Halter geliehen hatte ...

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