Beate Zschäpe überlegt „etwas“ auszusagen

von Holger Schmidt

Beate Zschäpe (09.06.2015)

Es klingt nach großer Neuigkeit, aber ist es eine wirkliche Wende im „NSU-Prozess“? Oder ist es ein taktischer Trick? Im eskalierenden Streit zwischen Beate Zschäpe und ihrer Pflichtverteidigerin Anja Sturm deutet Zschäpe in einem Brief an das Gericht an, sie überlege „etwas auszusagen“. Das dürfte zu großen Schlagzeilen führen. Doch nüchtern betrachtet spricht nicht viel für eine umfassende und ehrliche Aussagebereitschaft Zschäpes zu den entscheidenden Fragen rund um den „Nationalsozialistischen Untergrund“. Andererseits scheint die Hauptangeklagte emotional an ihre Grenzen zu kommen. Sie weitet ihre schriftliche Schlammschlacht gegen die Pflichtverteidigung aus: Auf vier handschriftlichen Seiten erhebt sie neue Vorwürfe – auch gegen ihre anderen beiden Verteidiger. Auf den Punkt gebracht: Die seien faul, geldgeil, twitterten und surften im Internet während der Hauptverhandlung und versuchten, sie unter Druck zu setzen. Sie fühle sich derzeit sogar von ihren Verteidigern „erpresst“. Hat Beate Zschäpe die Folgen dieser Behauptungen bedacht? Es sieht nicht danach aus.

Zur Erinnerung: Seit Ende vergangener Woche versucht Zschäpe, ihre dritte Pflichtverteidigerin Anja Sturm vom Oberlandesgericht München entbinden zu lassen (siehe hier und hier). Pflichtverteidiger werden vom Staat bezahlt, Beate Zschäpe hatte Anja Sturm jedoch auf Empfehlung ihres ersten Verteidigers Wolfgang Heer selbst ausgesucht. Zschäpe wirft Anja Sturm vor, sie sei ihr gegenüber herrisch, laut und unvorbereitet, zudem habe sie interne Informationen unerlaubt bei einer Zeugenvernehmung benutzt ...

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