Wann trifft Anleger eine Mitverantwortung bei Falschberatung von Wertpapieranlagen?

Anlageberatung fängt mit Vertrauen in den Berater an, sie bildet das Fundament für viele private Kapitalanleger, sich für einen Vertragsabschluss zu entscheiden. Der Anlageberater ist ein ausgewiesener Fachmann und dementsprechend messen Kunden seinen Einschätzungen und Aussagen über die Lage auf dem Finanzmarkt eine große Bedeutung zu. In der Realität kommt es nach Vertragsabschluss und im Fall eines Wert- oder Totalverlustes des angelegten Vermögens immer wieder zu gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen Anlageberatern und ihren Kunden.

Wie verhält sich die Rechtslage, wenn die schriftlichen Unterlagen der Bank auf Risiken hinweisen, der Anlageberater diese jedoch unrealistisch positiv bewertet und seine Kunden auf diese Weise zu einem Vertragsabschluss bewegt?

Angesichts der Finanzkrise und dem Zusammenbruch großer Banken wie Lehman Brothers und dem damit einhergehenden Totalverlust großer und kleiner Anlagesummen vieler Sparer war es Zeit für eine regelmäßige Rechtsprechung der höchsten Instanz, des Bundesgerichtshofes. Dieser entschied mit seinem Urteil vom 19.02.2015 (III ZR 90/14) über die Frage, ob sich Anleger auf die mündlichen Einschätzungen und Empfehlungen hinsichtlich der Risiken ihres Anlageproduktes verlassen dürfen oder nicht.

Die Bundesrichter hatten darüber zu entscheiden, ob diesen „leichtgläubigen“ Anlegern ein Schadenersatz gegenüber ihrem Anlageberater und der Bank zusteht, oder ob dieser auf der Grundlage eines Mitverschuldens zu kürzen ist. In dem zitierten Rechtsstreit wurde der Fall eines Anlegers verhandelt, der Schadenersatzansprüche gegen seinen Anlageberater geltend machte, der ihm ein Investment in einen Leasingfonds verkauft hatte und diesen für ihn als vollkommen sicher und geeignet für die Altersvorsorge beschrieben hatte.

Die Verhandlung vor dem Oberlandesgericht

Der Anleger vertraute den mündlichen Empfehlungen seines Beraters und unterzeichnete die Papiere ...

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