Schweigen als Waffe?

von Mirko Laudon

Im Zusammenhang mit dem sog. NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München interviewt die „taz“ die anerkannte österreichische forensische Psychiaterin Heidi Kastner. Insgesamt enthält das Interview wenig Neuigkeiten – eine Aussage erstaunt dann aber doch:

Schweigen kann aber auch Kraft geben. Man schafft das Gefühl: Ich bin der, der sich vorbehält, etwas zu sagen oder nicht. Ich lasse nicht zu, dass ihr auf mich zugreift. Zerbrecht euch den Kopf über mich. Aber ich werde euch nichts sagen. Schweigen ist eine massive Waffe. Es kann ein Werkzeug sein, den anderen hilflos zu machen.

Schweigen als Selbstverteidigung

Schweigen kann eine Waffe zur Selbstverteidigung sein – aber doch nur kurzfristig. Nämlich nur genau solange, bis Dritte über dich reden und du dich selbst nicht verteidigen kannst.

Der Drang, sich in diesen Momenten redend zu verteidigen, ist unbändig. Es ist eine natürliche menschliche Reaktion, falsche Darstellungen richtigstellen zu wollen, den Kontext bestimmter Handlungen oder Aussagen zu erklären, Auslassungen eines Zeugen zu ergänzen und schließlich zu versuchen, einen Zeugen der Lüge zu überführen. Wenn man schweigt, ist dies alles nicht möglich – oder eine Aufgabe, die durch den Verteidiger zu erbringen ist.

Dafür muss dieser allerdings „im Bilde“ sein, um für die oder den Angeklagten die Informationen durch gezielte und geschickte Fragen an den Zeugen richtig zu stellen ...

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