Nein, Ihr Arbeitszeugnis schicken wir Ihnen nicht!

von Thorsten Blaufelder

Eigentlich müssen Arbeitnehmer ihr Arbeitszeugnis abholen. Doch ein frankierter Rückumschlag kann aus dieser „Holschuld“ eine „Bringschuld“ machen, wie das Landesarbeitsgericht (LAG) Berlin-Brandenburg in Berlin in einem kürzlich veröffentlichten Beschluss vom 12.12.2014 entschied (AZ: 16 Ta 1771/14).

Im konkreten Fall hatten sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Streit um die Kündigung auf einen Vergleich geeinigt. Darin verpflichtete sich der Arbeitgeber, dem Arbeitnehmer ein Zeugnis zu erteilen.

Der Arbeitnehmer verlangte, dass ihm das Zeugnis zugeschickt wird. Schließlich wohne er nicht am Firmensitz in Berlin, sondern in Frankfurt an der Oder. Seiner früheren Firma schickte er einen adressierten und frankierten Rückumschlag. Dennoch dachte der Arbeitgeber zunächst nicht daran, dem geschassten Mitarbeiter diesen Wunsch zu erfüllen. Das Zeugnis, so beharrte er, liege zur Abholung bereit. Erst als der Arbeitnehmer bei Gericht ein Zwangsgeld beantragt hatte, gab der frühere Arbeitgeber das Zeugnis in die Post.

Laut Gesetz muss der Arbeitgeber auf Wunsch ein Zeugnis ausstellen, es handelt sich aber um eine „Holschuld“, der Arbeitnehmer muss es also abholen. Schon 1995 hatte allerdings das Bundesarbeitsgericht (BAG), damals noch in Kassel, entschieden, dass der Arbeitgeber das Zeugnis trotzdem zuschicken muss, wenn der frühere Mitarbeiter inzwischen weit weg wohnt (Urteil vom 08 ...

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