Zur Haftung eines Internisten für Magenblutung: OLG Köln 18-02-2015

Einem Internisten, der trotz schwarzen Stuhlgangs der Patientin nicht mit hinreichender Dringlichkeit auf die gebotene Krankenhauseinweisung hingewirkt hat, ist ein (einfacher) Behandlungsfehler vorzuwerfen. Lehnte die Patientin den Ratschlag ab, sich in ein Krankenhaus zu begeben, hätte der Internist klar und unmissverständlich auf die drohenden Folgen hinweisen müssen, etwa indem er der Patientin erklärte, dass sie ohne stationäre Behandlung und Überwachung verbluten und sterben könne (OLG Köln, Urteil vom 18.02.2015 - 5 U 128/13).

Abstract:

Ist es nach Angaben des medizinischen Sachverständigen unwahrscheinlich, dass die Folgen einer Behandlung (hier erheblicher Blutverlust) zu einem bestimmten, von der Patientin behaupteten Schaden geführt haben (hier: Beeinträchtigung der Lunge, des Herzens etc.), so braucht nicht weiter geprüft zu werden, ob ein grober Berhandlungsfehler vorliegt - denn selbst wenn man einen solchen annähme, würde dies nicht zu einer Haftung des Arztes führen, weil die Kausalität zwischen Verletzung und Schaden nicht gegeben ist. Und die Beweislastverteilung des groben Behandlungsfehlers führen nicht dazu, dass der Arzt auch für unwahrscheinliche Folgen seines Fehlers haftet.

Dass der Internist die Patientin überhaupt den Ratschlag gab, ein Krankehaus aufzusuchen, ist streitig, wird aber hier durch eine entsprechende Dokumentation in der Behandlungsakte belegt ("KH Einweisung abgelehnt ...falls erneut schwarzer Durchfall 112 anrufen").

Für den Zusammenbruch in ihrer Wohnung, den Blutverlust, die damit verbundenen Ängste und die „Rettungsaktion“ durch ihren Nachbarn sieht das Gericht ein Schmerzensgeld von EUR 2.000 als angemessen an.

Der Fall:

I. Die am 6.10.1926 geborene Klägerin bat den Beklagten, einen niedergelassenen Internisten, Ende August 2011 um einen Hausbesuch. Der Beklagte horchte die Klägerin ab und vermerkte unter dem Datum des 30.8 ...

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