CreutzColumne: 15 Euro Stundenlohn: Was ist ein angestellter Anwalt wert?

In Großkanzleien zahlen die Gesellschafter Berufseinsteigern 100.000 Euro Jahresgehalt und mehr. Doch in den Niederungen des Berufsstands zeigen sich die Chefs weniger spendabel, manche sogar extrem knauserig. Wann die Grenze zur Sittenwidrigkeit erreicht ist, hat das Bundesarbeitsgericht speziell für angestellte Anwälte neu definiert.

Ein auffälliges Missverhältnis zwischen dem Wert der Arbeitsleistung und der Vergütungshöhe liegt danach bei einem Angestelltenverhältnis eines Anwalts in einer Kanzlei vor, wenn die Arbeitsvergütung nicht einmal zwei Drittel der üblicherweise gezahlten Vergütung erreicht (Az.: 5 AZR 663/13). Ein Anlass, von dieser Richtgröße im Sinne einer Heraufsetzung der Zwei-Drittel-Grenze abzuweichen, besteht nach Ansicht der Erfurter Richter weder wegen der Besonderheiten in der Beschäftigung angestellter Rechtsanwälte noch der in § 26 der Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA) enthaltenen Vorgabe, Rechtsanwälte nur zu angemessenen Bedingungen zu beschäftigen.

Damit setzt sich das Bundesarbeitsgericht von der restriktiveren Haltung des Bundesgerichtshofs ab. Letzterer hatte offengelassen, ob bei Unterschreiten der Zwei-Drittel-Grenze die Schwelle zur Unangemessenheit der Vergütung angestellter Rechtsanwälte nach § 26 BORA überhaupt erreicht wird oder nicht nur knapp über der Hälfte des branchenüblichen Gehalts liegende Vergütungen als auffälliges Missverhältnis einzuordnen sind (Az.: AnwZ (B) 11/08). Lediglich ergänzend stellte der BGH auf die Frage ab, ob die Vergütung eines als Berufsanfänger eingestellten Rechtsanwalts das durchschnittliche Anfangsgehalt von Rechtsanwalts- und RENO-Fachangestellten unterschreitet ...

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