Fachanwalt Opferrecht - Produkt des Titelwahns oder zur Orientierung notwendig

von Joachim Breu
Fachanwaltschaften sind als Marketing-Instrument beliebt. In den Erhebungen der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) spiegelt sich das regelmäßig wider. Während die Anwaltschaft - endlich - langsamer wächst (PE 10/2014), nimmt der Anteil der Fachanwälte zu. Aktuell sind es 22 Gebiete, auf denen sich so ein Titel erwerben lässt. Diese Zahl wirft die Sinnfrage auf -- erkennt ein Rechtsrat-Suchender noch, welche Spezialisierung zu seinem Problem passt?

Das Gesetz beruht auf der Erwägung, dass aus dem weiten Feld der Gesetze Schwerpunkte nötig sind. Keiner kann alles wissen und behalten, und auch der beste Generalist wird sich über kurz oder lang nach dem Minimax-Prinzip auf Felder und Mandate beschränken, die ihm bei überschaubarem Fortbildungs- und Recherche-Aufwand ein Auskommen garantieren. § 43c BRAO zeichnet Spezialisierung auf etwa gleichartige Normen vor - Verwaltungsrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht, Sozialrecht sind ausdrücklich genannt. Familien- und Strafrecht kamen als erste über die Satzungsversammlungen nach.


Jüngster Beitrag zum Thema "Opferanwalt" ist das Thesenblatt der Kollegin Dr. Doering-Striening (Essen), erschienen in der aktuellen Ausgabe des Anwaltsblattes (Heft 6). Das Projekt geht also weiter, auch wenn es im März 2015 an Vorbehalten der Satzungsversammlung erst einmal gescheitert war (DAV-Depesche 11/2015). Weit früher, nämlich schon im zweiten Halbjahr 2011 berichtete sie im Sonderheft "Karriere" darüber, dass dank zahlreicher Gesetzesänderungen künftig Spezialisten für die Rechte der von Straftaten Verletzten gefragt sein würden (Heft 02/2011 - S. 33). An der Pforte der §§ 8 - 14n FAO stehen noch zahlreiche, ebenfalls mehr an Lebenslagen ausgerichtete Fachanwaltschaften wie die des Migrationsrechtes; auch sie schaffte es nicht durch die Ausschüsse ...

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