Zusammenstoß von Fußgänger und Skifahrer: Wer haftet?

von Alexander Gratz

CFalk / pixelio.de

Der Kläger fuhr auf seinen Skiern an einer Gruppe von Schülern, die mit dem beklagten Sportlehrer auf der Zufahrt zu einer Jugendherberge an ihrem Bus standen, vorbei. Der Beklagte wollte einen aus der Gruppe geworfenen Gegenstand fangen und trat zurück, warf dabei den Kläger um und fiel auf ihn. Das Kammergericht hat die Klage (u. a. auf Schadensersatz und Schmerzensgeld) wegen eines überwiegenden Mitverschuldens abgewiesen. Die Revision des Klägers hatte Erfolg (BGH, Urteil vom 28.04.2015, Az. VI ZR 206/14).

I. Das Berufungsgericht hat ausgeführt, dem Beklagten sei zwar vorzuwerfen, dass er auf einer öffentlichen Straße rückwärts getreten sei, ohne sich zu vergewissern, dass der Weg hinter ihm frei sei. Jedoch entfalle die Haftung wegen eines überwiegenden Mitverschuldens des Klägers an dem Unfall. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass der Beklagte nur einen oder zwei Schritte rückwärts gegangen sei. Dass der Beklagte rückwärts “gerannt” sei, habe der Kläger nicht bewiesen. Ein Passant, der eine spielende Gruppe sehe, müsse mit einer einfachen Rückwärtsbewegung einer Person rechnen und darauf reagieren. Dass der Kläger sich schwer verletzt habe, sei allein auf das Sturzgeschehen in festen Alpin-Skiern zurückzuführen, weil durch die starren langen Skiblätter andere Schwerkräfte auf den Stürzenden einwirkten als auf einen normalen Fußgänger. Mit starren Skiern sei die Ausweichfähigkeit eingeschränkt. Der Skifahrer müsse deshalb Personen, die erkennbar mit dem Rücken zu ihm stünden, verbal auf sich aufmerksam machen oder diese weiträumig umfahren. Jedenfalls dürfe er sich nicht - wie der Kläger - zwischen einem Bus und einer Menschengruppe “durchzwängen” ...

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