Zur Haftung nach fehlender Röntgenkontrolluntersuchung bei Gallenpunktion: OLG Saarbrücken 04-02-2015

Abstract:

Im vorliegenden Fall liegt ein (einfacher) Befunderhebungsfehler vor (fehlende Röntgenkontrolluntersuchung nach intraoperativer Gallenpunktion). Eine Arzthaftung der beklagten Ärzte auf Schadensersatz scheidet trotzdem aus. Denn der Patient unterließ die gebotene Nachbehandlung, obgleich ihm die Notwendigkeit dieser Nachbehandlung bekannt war. Das Unterlassen der Nachbehandlung rief weitere Komplikationen und Erkrankungen hervor. Die unterlassene Nachbehandlung hatte damit ganz wesentlichen Anteil an den Folgebeeinträchtigungen des Patienten bzw. hat eine eigenständige Ursache für die Folgebeeinträchtigungen gesetzt. Außerdem war der Patient schon bei Beginn der Behandlung vielfach krank (multimorbid), worauf mindestens 50 % der späteren Gesundheitsbeeinträchtigungen zurückzuführen sind. Da der Patient damit in gleicher Weise wie der behandelnde Arzt zu den Gesundheitsbeeinträchtigungen beigetragen hat, wiegt das Fehlverhalten des Patienten das des Arztes auf. Eine Beweislastumkehr zu Gunsten des Patienten scheidet damit aus.
Ohnehin wäre der Schaden des Patienten ohnehin nicht von der Beweislastumkehr erfasst, weil sich nicht das Risiko der fehlerhaft unterlassenen Röntgenkontrastmitteldarstellung realisiert hat, sondern das dasjenige der vom Patienten unterlassenen Nachbehandlung.
Der Kläger musste also beweisen, dass die von ihm geltend gemachten Folgen der Unterlassung der Ärzte (z.B. Haushaltsschaden) auf das Verhalten der Ärzte zurückzuführen waren. Dieser Beweis ist ihm hier nicht gelungen.

Das sog. Pringle-Manöver zur Blutungsstillung (Abklemmen des Blutflusses zum Organ) ist nicht mehr ärztlicher Standard; es ist auch nicht indiziert bei der Blutung eines stark vorgeschädigten Organs, da es das Organ dann nachhaltig schädigen kann. Daher ist die Nichtvornahme dieser technik zur Blutstillung nicht behandlungsfehlerhaft ...

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