Rote Roben (2) – Als es ein Generalstaatsanwalt noch gerechtfertigt fand, Bildzeitungs-LKWs anzuzünden

Teil 1 dieser Serie ist hier auffindbar.

Das Jahr 1968 muss einiges auf den Kopf gestellt haben, was vorher unverrückbar schien, anders sind die Ausführungen, die ich hier vorstelle, nicht erklärbar. Sie muten noch absurder an, wenn man davon ausgeht, dass der kulturelle Wandel an den deutschen Universitäten in den meisten Städten nicht bis zu den juristischen Fakultäten vordrang (dies mag bspw. in Heidelberg anders gewesen sein, S. 140 ff.).

“BILD hat mitgeschossen!”

Bei den sog. Mai-Unruhen gelang es einigen Studenten, die Auslieferungsfahrzeuge der BILD-Zeitung zu blockieren und teilweise anzuzünden. Dies geschah als Reaktion auf monatelange Hetzartikel gegen linke Studenten insb. in Berlin, die nach Meinung vieler Volksverhetzung darstellten und dazu beigetragen hatten, dass Josef Bachmann sich dazu entschloss, ein Attentat auf Rudi Dutschke zu verüben, an dessen Spätfolgen dieser Jahre später starb.

Publizistische Schützenhilfe erhielten die Studenten von ungewöhnlicher Seite: In der Strafrechtszeitschrift Goltdammer’s Archiv für Strafrecht veröffentlichte ein junger Staatsanwalt einige Monate später einen Aufsatz mit dem Titel “Verfassungs- und strafrechtliche Fragen zu ‘Sitzstreiks'” (GA 1969, 33 ff.). Sein Name: Dr. Hans Janknecht.

Brandstiftung als adäquater Gegenschlag

In diesem Aufsatz machte sich Janknecht einige Gedanken darüber, ob Sitzblockaden in strafrechtlicher Sicht als legale Grundrechtsausübung, insbesondere der Meinungs- und Versammlungsfreiheit gerechtfertigt sein können.
Zunächst führt er aus, dass für die Auslegung des Begriffs der “Verwerflichkeit” in § 240 II StGB mit dem Merkmal der “Sozialadäquanz” gearbeitet werden muss. Dieses enthalte die Möglichkeit einer Abwägung, bei der der Richter den Zweck der Blockade und das Ausmaß der Störung mit einbeziehen muss ...

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  • 68er-Aufstand: Sturm auf Springer

    spiegel.de - 31 Leser - Barrikaden, Pflastersteine, ausgebrannte Fahrzeuge: Aufgehetzt von der "Bild"-Zeitung schoss der Hilfsarbeiter Josef Bachmann am 11. April 1968 den Studentenführer Rudi Dutschke nieder. Das Attentat löste die "Osterunruhen" aus - die größten Straßenschlachten, die die BRD bis dahin gesehen hatte.

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