Können sich Eltern nicht über die Essensgewohnheiten des Kindes entscheiden, so muss dies leider das Gericht

von Klaus Wille

Foto: dabost/fotolia.com

Es gibt Fälle, da denkt man, diese Fälle gibt es nicht.

In den italienischen Medien ist eine Entscheidung des Tribunale Bergamo (vergleichbar mit dem Amtsgericht) über ein geschiedene Ehepaar und die Essensgewohnheiten des Kindes nachzulesen.

1. Sachverhalt und Entscheidung

Das Kind ist 12 Jahre alt. Die Eltern haben sich im konkreten darüber gestritten, ob ein Kind “Fleisch” essen darf. Die Mutter ernährte sich schon jahrelange makrobiotisch. Diese Ernährungsweise legt den Schwerpunkt der Ernährung auf Getreide sowie auf die Vermeidung von Fleisch und Milchprodukten. Die Mutter ernährte den Sohn genauso wie sich.

Der Vater wollte, dass das Kind auch Fleisch zu essen bekommt. Er gab ihm daher am Wochenende Fleisch und Milchprodukte. Die Mutter behauptete, dass das Kind nach den Umgangstagen über Bauchschmerzen klagte. Die Eltern konnten sich nicht über das Essen einigen. Der Vater verlangte, dass das Kind auch während der Zeiten bei der Mutter Fleisch zu essen bekommt. Dies lehnte die Mutter ab.

Nun entschied das Gericht in Bergamo, dass die Mutter in der Woche dem Sohn einmal Fleisch servieren müßte. Der Vater wurde angehalten, am Wochenende maximal 2 Mal Fleisch zu servieren.

2. Rechtlicher Hintergrund

Das italienische Gesetzt unterscheidet zwischen elterlicher Sorge und deren Ausübung.

Gemäß Art. 155 Abs. 3 c.c. wird die elterliche Sorge über die Kinder, also auch bei Anvertrauen an nur einen Elternteil, von beiden Eltern ausgeübt (Art. 155 Abs. 3 c.c.). Das Gericht kann – auf Antrag – anordnen, dass nur einem Elternteil das Kind anvertraut wird (affidamento esclusivo; Art. 155 bis c.c.) ...

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