So dämlich ist doch kein Nebenklage-Vertreter

von Joachim Breu
Mich nervt es ob ständiger Wiederholung, wenn mir in einem Verteidiger-Schlussvortrag wie bereits zum Nachlesen in der Entscheidung des Hans. OLG vom 24.11.2014 – 1 Ws 120/14 – in StraFo 2015, 25 unter die Nase gerieben wird, der Nebenkläger selbst kennte stets die Verfahrensakte, wenn sein Beistand reinschauen durfte. Nun, das mag vorkommen. Aber wäre das nicht erst einmal vom Zeugen selbst abzufragen, bevor man es als stets gegeben unterstellt?
Es ist Aufgabe des Nebenklagevertreters, darauf hinzuwirken, dass der innere Widerspruch zwischen seinen Rollen als Zeuge und als (aktiver) Verfahrensbeteiligter nicht der Sachaufklärung im Weg steht (vgl. Bockemühl - Hohmann, Hdb. FA StrafR, 7. Teil 2. Kapitel Rdnr. 4, 5). Der Nebenklagevertreter weiß doch genau, dass der Wert einer Zeugenaussage um so tiefer sinkt, je stärker der Zeuge verleitet ist, Erinnertes zu reproduzieren, statt sich aktiv (neu) zu erinnern. Also wird ein sorgfältig und vernünftig arbeitender Nebenklagevertreter sich hüten, dem eigenen Mandanten zu viel von seinen früheren Aussagen zu verraten.

Jeder Profi weiß, dass nur die frische, aktiv erarbeitete Erinnerung überzeugt und Auswendig-Gelerntes völlig ungeeignet ist, irgendjemanden von irgendetwas zu überzeugen. Will ich zur Verwirklichung des Genugtuungsanspruchs meines Mandanten überzeugen, muss ich sein Auswendig-Lernen vereiteln. Außerdem kann man jeden Menschen, nicht nur Polizeibeamte, zunächst danach befragen, ob und ggf. welche Tatsachen (Wortlaute, Bilder, Geräusche etc.) er denn erinnerte bevor, während und nachdem er seine früheren Angaben vielleicht nachgelesen hat. Wie der Zeuge an der Antwort scheitert, liefert hochwertige Erkenntnisse.

Diese Frage gehört ins Standard-Repertoire jedes Richters, der einen anwaltlich vertretenen Nebenkläger als Zeugen hört ...Zum vollständigen Artikel


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