Sanft, aber bestimmt: Nils Christie (24.02.1928 – 27.05.2015)

Für diese Nachricht einen Anfang zu finden fällt mir schwer und was den Schluss angeht, sehe ich dieselbe Schwierigkeit voraus, aber es gibt einen Begriff, der mir sofort einfiel und der mir so beharrlich im Wege des Schreibens steht, dass er wohl den Anfang machen muss, soll überhaupt noch etwas folgen: Nils Christie umgab eine Aura.

Ein schwer zu fassendes und jedenfalls immaterielles Feld an Schwingungen und Einflüssen, das mich wie so viele, die das Glück hatten, ihm zu begegnen, wie mit einer Magnetkraft anzog, aber auch zugleich zu verwandeln und zu verbessern schien. Tage mit Nils Christie, in Berlin oder vor vier Wochen noch in Padua, waren eine eigene Art der Wellness-Kur.

Das Wort Aura passt allerdings auch insofern, als es ursprünglich die griechische Göttin der Morgenbrise bezeichnete, und genau diese Funktion kam auch dem Vortrag in Sheffield zu, der Nils Christie berühmt machen sollte: “Conflicts as Property” (British Journal of Criminology 1977 17 (1) 1-15) brachte frischen Wind in die Kriminologie und die Rechtssoziologie und verlieh der Diskussion um Alternativen zur strafenden Gerechtigkeit – insbesondere in der Form der restorative justice – neuen Schwung.

In jüngster Zeit sprach Nils Christie wieder öfter über sein Erstlingswerk aus dem Jahre 1952: seine Gespräche mit KZ-Wächtern und die Reflexion über die zahllosen damit verbundenen Fragen hatten vieles von dem, was sein Lehrer Andenaes ihm über die Rechtfertigung von Strafe beigebracht hatte, ins Wanken geraten lassen. Viele Kenner seines Werkes sehen denn auch einen roten Faden der Strafproblematisierung, der sich durch sein gesamtes Oeuvre zieht ...

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