Aufklärungsfehler über Risiken bei Hüftoperation: OLG Nürnberg 30-04-2015

Die Angaben in ärztlichen Aufklärungsgesprächen und in standardisierten Aufklärungsbögen zur Wahrscheinlichkeit des Eintritts bestimmter Komplikationen (Komplikationsdichte) haben sich an der Häufigkeitsdefinition des Medical Dictionary for Regulatory Activities (MedDRA), die in Medikamenten-Beipackzetteln Verwendung findet, zu orientieren. Eine hiervon abweichende Verwendung der Risikobeschreibungen (selten, sehr selten etc.) kann eine verharmlosende Risikoaufklärung darstellen (OLG Nürnberg, Urteil vom 30.04.2015 - 5 U 2282/13).

Abstract:

Die Darstellung in dem Aufklärungsbogen als "sehr seltenes" Risiko muss als eine unzulässige Verharmlosung des Operationsrisikos gewertet werden, wenn das Risiko tatsächlich bis zu 3,5% beträgt.

Beruft sich der aufklärende Arzt auf die sog. Immer-So-Aufklärung, so überzeugt dies nicht, wenn er im konkreten Fall ersichtlich von der ständigen Aufklärungsübung, die er geschildert hatte, abgewichen war.

In einem ärztlichen Vorgespräch dem Patienten erteilte beruhigende Hinweise zu Risiken der möglichen Behandlung können die spätere (eigentliche) Aufklärung für die konkrete Behandlung entwerten mit der Folge, dass ein Aufklärungsfehler bezüglich der Risiken vorliegt.

Der Fall:

I. Die Klägerin nimmt die Trägerin der orthopädischen Klinik B. ..., den Chefarzt der orthopädischen Abteilung als Operateur sowie die an der streitgegenständlichen Operation beteiligten Assistenten auf Schadensersatz in Anspruch, weil bei einer am 11.04.2011 durchgeführten Hüftprothesen - Wechseloperation Behandlungsfehler unterlaufen seien und es auch an der erforderlichen Risikoaufklärung gefehlt habe ...

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