Skurrile Hauptverhandlung

von Philipp Marquort

Ich war gerade am Amtsgericht Goslar unterwegs. Einer meiner ständigen Mandanten war verdächtigt einen Wohnungseinbruchdiebstahl begangen zu haben und war in Untersuchungshaft gekommen. Der Vorwurf lautete: Er sei zusammen mit seiner Freundin in 3 Wohnhäuser eingebrochen und hätte dort diverse Wertsachen und ein bisschen Bargeld gestohlen.

Morgens im Gerichtsflur wurde ich von einem Herren angesprochen. Ich kam quasi mit ihm ins Gericht rein. Es sollte sich herausstellen, dass es sich dabei um den Richter handeln sollte.

„Ich habe die Akten noch nicht gelesen.“

waren seine ersten Worte. Er sei gestern Nacht aus dem Urlaub wiedergekommen. Aber er kenne die Sache ja noch als Haftrichter. Es führte mich dann rum, zeigte mir sein Zimmer und den Sitzungsaal.

Ich war eigentlich eine dreiviertel Stunde vorher gekommen, da ich mit dem Verteidiger der Mitangeklagten die gemeinsame Verteidigungsstrategie besprechen wollte. Bis zum Erscheinen des Mitverteidigers spannte mich der Richter in ein Gespräch ein. Er erzählte mir von seinem Sohn, der ja auch Jurist sein und in einer Kieler Firma arbeiten würde. Er selber müsse ja bald auch in Pension gehen. Er würde sich dann aber ja als Rechtsanwalt selbständig machen. Strafverteidiger. Das mache man ja so. Und da hätte er ja lange Erfahrung. Im Strafrecht. Man werde das heute schon hinbekommen. Er verhandle solche Sachen eigentlich in 20 Minuten. Man würde ihn hier schon Schnellrichter nennen.

Endlich kam der Kollege und der Richter zog sich zurück. Kam aber gleich wieder. Der erste Zeuge sei krank. Liege noch im Krankenhaus. Ob man den brauche.

Die Hauptverhandlung war denn genauso sprunghaft wie das Gespräch.

Er erklärte den Zeugen worum es ging: Der eine Angeklagte hätte ja ein Geständnis abgelegt. Die Mitangeklagte nicht. Sei aber von dem Angeklagten entlastet worden. Ob die Zeugen denn gesehen hätten, wer eingebrochen sei? Nein? Ja. Dann wird das ja schwer ...

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