Eine Klage des Arbeitnehmers, dass der Arbeitgeber ihn nicht mehr duzen soll

von Stephan Weinberger

“Du wirst doch hier nicht gleich Klage erheben?” so oder in ähnlicher Form kann man sich die Reaktion eines Arbeitgebers vorstellen, der von einem Mitarbeiter wegen betrieblicher Umgangsformen vor Gericht gezerrt wurde. Geduzt zu werden passte dem Arbeitnehmer im täglichen Betriebsleben nämlich gar nicht. Das Landesarbeitsgericht Hamm musste die Sache im Juli 1998 spruchreif klären.

Geklagt hatte ein 45-jähriger Mitarbeiter eines Modehauses, mit dem Ziel, dem Arbeitgeber zu untersagen, ihn zu duzen. Der Mann arbeitete dort als Abteilungsleiter im Bereich Herrenoberbekleidung, wurde stets gesiezt. Diese Filiale wurde mit ihren etwa 24 Mitarbeitern von einem internationalen Bekleidungshandelsunternehmen übernommen. Sowohl das Warensortiment wie auch der betriebliche Umgangsstil der beiden Unternehmen wichen jedoch voneinander ab. Während die frühere Arbeitgeberin einen konventionellen klassischen Stil pflegte, der insbesondere auch ein Publikum mittleren Alters ansprach, setzt die neue Gesellschaft auf ein unkonvenionelleres, preisbewusstes jüngeres Publikum. Im Umgang der Mitarbeiter und Vorgesetzten untereinander legt die neue Gesellschaft wert auf einen betont kollegialen Stil, der den Abbau von Hierarchien zum Ziel hat. Sämtliche Belegschaftsmitglieder duzen sich jetzt untereinander.

Ganze 22 Monate nahm der Kläger die – auch vom Betriebsrat gebilligte – neue Praxis hin, verlangte aber dann, fortan wieder gesiezt zu werden. Mit einem Anwaltsschreiben wandte sich der Kläger an den damaligen Prozessbevollmächtigten des neuen Arbeitgebers:

„Sehr geehrter Herr M,

in der obigen Angelegenheit mußte unser Mandant feststellen, daß er – offensichtlich auf Anweisung der Betriebsleitung – von sämtlichen Mitarbeitern der Filiale in R. und auch von sonstigen Mitarbeitern der Firma H & M, mit denen er in Kontakt kommt, geduzt wird. Dies muß unser Mandant nicht hinnehmen ...

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