Rabauken in Richter-Roben

von Mirko Laudon

Ein Jagd­aus­übungs­be­rech­tig­ter, ge­mein­hin schlicht als Jä­ger be­zeich­net, schleifte im letz­ten Jahr ein er­leg­tes Reh an der An­hän­ger­kupp­lung sei­nes PKW über die Bun­des­straße 109 und wurde dar­auf­hin in den so­zia­len Netz­wer­ken als „Wild­schlei­fer von Vor­pom­mern“ bun­des­weit be­kannt. Auch ei­nige Zei­tun­gen be­rich­te­ten dar­über, so auch der re­gio­nale Nord­ku­rier, der den Wild­schlei­fer we­gen sei­ner Roh­heit im Um­gang mit dem ver­en­de­ten Tier als „Rabauken-Jäger“ be­zeich­nete. Das wollte der Jä­ger nicht auf sich sit­zen las­sen und er­stat­tete Straf­an­zeige ge­gen den Re­dak­teur die­ses Ar­ti­kels we­gen Beleidigung.

Die Staats­an­walt­schaft Neu­bran­den­burg er­mit­telte pflicht­ge­mäß, er­hob An­klage und das Amts­ge­richt Pa­se­walk er­öff­nete das Haupt­ver­fah­ren. Und ob­wohl der Kreis­jagd­ver­band des­sen Ver­hal­ten als un­ethisch und un­waid­män­nisch gei­ßelte, kam die Straf­rich­te­rin zu ei­ner an­de­ren Be­wer­tung. Schon das Plä­do­yer des Staats­an­walts glich nach dem Be­richt des Nord­ku­riers ei­ner Ge­ne­ral­ab­rech­nung mit dem gan­zen mo­der­nen Me­di­en­be­trieb im All­ge­mei­nen und dem Nord­ku­rier im Spe­zi­el­len: Zu laut, zu schnell, zu pla­ka­tiv. Die wah­ren Ra­bau­ken, so habe das un­term Strich ge­klun­gen, seien doch die Journalisten.

Schließ­lich wollte auch die Rich­te­rin nicht gel­ten las­sen, dass eine Zei­tung die Dinge im Sinne der Mei­nungs­frei­heit in Wahr­neh­mung be­rech­tig­ter In­ter­es­sen auch deut­lich be­nen­nen darf. Kon­kret führte sie aus, dass man ein Kind noch als Ra­bauke be­ti­teln könne, ein Er­wach­se­ner sich eine sol­che For­mu­lie­rung aber nicht ge­fal­len las­sen müsse. Der Be­richts­auf­trag der Me­dien recht­fer­tige eine so „pfeff­rige und scharfe“ Wort­wahl nicht. Geld­strafe: 1.000 Euro.

Mi­chael Grab­scheit / pixelio ...

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