Verteidiger untereinander ...

von Joachim Breu
... ist es so schwer, "Guten Tag" zu sagen?

mich erreicht heute eine Mail des mutmaßlichen Verteidigers eines Mitangeklagten. Mutmaßlich deshalb, weil sein Mandant auf Staatskosten logiert und einen beigeordnet erhielt, einen anderen. Seit Wochen, hieß es in der E-Mail sinngemäß, bemühe er sich schon um einen Verhandlungstermin. Aus unerklärlichen Gründen rede sich das Gericht heraus Ob ich denn telefonisch gut zu erreichen sei, falls es heute mit der Terminabstimmung klappt, und ich bräuchte doch gewiß auch keine Zeugen?


Dazu sollte man wissen: Just am Vortrag war bei mir die Anklageschrift eingetrudelt, am selben Abend dann diese Nachricht. Worüber das Gericht in den zurückliegenden Wochen hätte verhandeln sollen, so ohne Anklageschrift, ist mir nicht erklärlich, aber ich weiß ja auch nicht alles. Ich wäre bei dringendem Beschleunigungsbedarf auch eher der StA auf den Wecker gefallen, damit die mal etwas Papier entsprechend strukturiert schmutzig macht, aber bitte, das macht ja jeder anders.


Der Tatvorwurf selbst ist - leider - eindeutig; beide Beschuldigte waren schon bei ihrer Verhaftung gesprächig u.a.m.. Wenn man bei frischer Tat erwischt wird, ist lautes Singen oft die bessere Verteidigung. Über die rechtliche Einwertung der Tat, ihrer Folgen sowie des eigenen Tatbeitrages streitet man sich dann später mit dem Gericht. Aber bitte, das macht ja jeder anders.


Zwei Wochen zuvor hatte ich eine Haftprüfung durchgestanden und den Pflichti des Mitangeklagten vom Ergebnis informiert, der freundlich "Danke" sagte und berichtete, es hätte sich ein Wahlverteidiger eingeschaltet, seither käme er nicht mehr an seinen Mandanten heran. Irgendein Hallo, ich soll's jetzt sein, wie kommen wir beiden fair auseinander? oder so, wäre ausgeblieben. Mieser Stil, Na ja, so hat eben jeder den seinen ...

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