Kann Jesus Urheber im Sinne des deutschen Urheberrechts sein? – Die OLG Frankfurt “Jesus – Wachträumerin” – Entscheidung

von RA Tobias Herrmann

Einen im Rechtsalltag eher ungewöhnlichen Fall aus dem Urheberrecht hatte das OLG Frankfurt im Frühjahr 2014 zu entscheiden (OLG Frankfurt, Az: 11 U 62/13, Urteil vom 13.05.2014). Zusammengefasst ging es um die Frage, ob Jesus Urheber im Sinne des deutschen Urheberrechts sein kann.

Das Verfahren hatte folgenden Hintergrund: Der deutsche Beklagte hatte Auszüge aus dem Buch mit dem deutschsprachigen Titel “Ein Kurs in Wundern” im Internet veröffentlicht. Die Verfasserin des Buches soll dieses aufgrund von direkten Eingaben durch Jesus von Nazareth niedergeschrieben haben.

Die amerikanischen Rechteinhaber verlangten nun vom Beklagten, es zu unterlassen, das Buch zu veröffentlichen, da hierdurch Urheberrechte verletzt werden würden.

Ein kleiner Exkurs: Der Urheberschutz auch in anderen Ländern ist bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts weltweit recht umfangreich geschützt und verlangt vielfach keine Schritte des Urhebers. So kann z.B. auch ein US-Autor ohne weiteres Verletzungen seines Urheberrechts in Deutschland geltend machen.

Die Beurteilung des Rechtslage hing im wesentlichen von der Frage ab, ob die das Werk niederschreibende Autorin oder Jesus von Nazareth Urheber des gegenständlichen Werks ist. Hierzu muss man wissen, dass Urheber nur derjenige ist, dem die geistige Schöpfung zuzurechnen ist. Im Verfahren vertrat der Beklagte die Auffassung, dass dies Jesus ist und die Autorin lediglich das Werk nach Diktat niedergeschrieben hat. Die Klägerin vertrat – naturgemäß – eine andere Auffassung und bezeichnete Jesus als Inspirationsquelle der Autorin; Jesus habe ihr das Werk nicht Wort für Wort vorgeben. Die Niederschrift in englischer Sprache sei die schöpferische Leistung der Autorin.

Das OLG gab der Klage statt und entschied, dass nicht Jesus, sondern die Autorin Urheberin des Werks gewesen sei ...

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