„Precobs“ – Stigma durch polizeiliches Orakel?

von Clemens Grünwald

Wie bereits von uns berichtet, nutzt die Polizei in zunehmendem Maße technische Neuerungen, um die Ermittlungsarbeit zu erleichtern. Hierbei spielt auch die Auswertung von Big Data eine in Zukunft nicht zu vernachlässigende Rolle.

Ein Beispiel hierfür ist die Analyse-Software „Pre Crime Observation System“ („Precobs“) zur statistischen Prognose von Straftaten. Nach Angaben von Entwicklern sollen Straftaten – beispielsweise Wohnungseinbrüche – mit einer Genauigkeit von drei bis sieben Tagen mit einem lokalen Radius von 300 bis 500 Metern vorhergesagt werden können. Dies geschieht mithilfe eines Abgleichs mit den Daten mehrerer Tausend Einbrüche der vergangenen Jahre, auf die die Prognosesoftware „Precobs“ zugreift. Gespeichert werden dabei in anonymisierter Form der genaue Tatort, die Tatzeit, Beute und die Begehungsweise.

Professionelle Einbrecher verfolgen ein bestimmtes Muster, das geprägt ist von einer kurzen Tatdauer und häufig die Mitnahme von Schmuck oder Bargeld beinhaltet. Die Täter kehren regelmäßig an Tatorte zurück, an denen sie sich auskennen und die erfolgversprechend sind. Von Kriminologen wird dieses Verhalten als „near repeats“ bezeichnet (sinngemäß: Wiederholung in der Nähe). Die entsprechenden Bereiche werden farblich markiert und sobald ein neuer Einbruch in einem solchen Bereich geschieht, löst die Software einen Alarm aus. Die Ermittler entscheiden daraufhin, in welchem Ausmaß die Polizei im jeweiligen Bereich präsent sein soll.

Eingesetzt wird das Programm derzeit in der Schweiz, wo die Zahl der Einbrüche in Zürich in besonders überwachten Gebieten um 30 Prozent zurückgegangen sein soll. In den USA und in Großbritannien wird an einer vergleichbaren Software geforscht. Die EU fördert entsprechende Forschungsvorhaben schon seit längerer Zeit.

In Deutschland werden die Programme in einigen Bundesländern wie z.B. in Berlin und Brandenburg geprüft ...

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