Vielleicht ist ein Brexit-Referendum gar nicht das Schlechteste

von Maximilian Steinbeis

Die Engländer_, Schott_, Waliser_ und Nordir_innen haben gewählt, und es ist Gewissheit: In zweieinhalb Jahren wird es ein Referendum über die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union geben. Die Tories haben versprochen, eins abzuhalten, wenn sie gewinnen, und gewonnen haben sie. Auch wenn sie allein keine Mehrheit haben, da kommen sie nicht mehr raus. It’s In or Out.

Und das finde ich jetzt, wo das geklärt ist, gar nicht unbedingt so übel.

Zum einen sieht es eh nicht so schlecht aus für die In-Seite. Je länger das Referendum in der Diskussion ist, desto mehr neigt sich die Waage zu ihrer Seite, die im Augenblick in den Umfragen eine solide Mehrheit hat. Das kann man mit der britischen Krämerseele zu erklären versuchen, pragmatisch und dem Freihandel zugeneigt und am Ende doch sehr gut in der Lage zu wissen, was sie am Binnenmarkt hat. Aber das lässt sich auch ohne sozialkulturelle Stereotypen erklären: Referenden polarisieren, sie teilen die Nebel politischer Interessenvielfalt, Licht und Schatten treten plötzlich scharf hervor, aus einer ganz spezifischen Perspektive zwar, aber immerhin: Man kann etwas erkennen. Referenden mobilisieren, sie erzwingen ein Bekenntnis, zumindest vorbereitend, man kommt nicht länger damit davon, dass man nachdenklich den Kopf wiegt und “schwierig, schwierig” murmelt. Wenn davon die In-Seite bisher mehr profitiert hat als die auch bisher schon mehr als genug polarisierte und mobilisierte Out-Seite, überrascht mich das nicht.

Dazu kommt ein Punkt, auf den Steve Peers hinweist: Man kann so enthusiastisch für Out kämpfen wie man will, am Ende wird man verhandeln müssen, mit Brüssel und den anderen Mitgliedsstaaten über die genauen Modalitäten des Austritts. Es bleibt immer eine Restunsicherheit, die man nicht kontrolliert. Das war beim Schottland-Referendum mutatis mutandis auch schon so ...

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