Urteil im Göttinger Prozess um Transplantationsskandal

von Liz Collet

Nach rund 2 Jahren seit Bekanntwerden der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und monatelanger Prozessdauer mit mehr als 60 Verhandlungstagen steht für den heutigen 6.5.2015 am LG Göttingen das Urteil im Prozess gegen den früheren Chefarzt des Uniklinikums Göttingen an.

Es bleibt abzuwarten, ob, wie und mit welcher rechtlichen Relevanz das Landgericht Göttingen im Rahmen der erforderlichen strafrechtlichen Beurteilung und Subsumtion der angeklagten Tatvorwürfe die Richtlinien der Bundesärztekammer bewerten wird.

Die Bewertung ist von nicht geringer Bedeutung für das Vertrauen in die wiederkehrend betonte angebliche Gerechtigkeit bei Fragen der Aufnahme von Patienten auf die Warteliste, ihre dortige Einstufung nach Dringlichkeit und damit “Ranking” im Falle konkreter Organangebote und damit die Allokationsgerechtigkeit nach für jeden Patienten und auch Arzt, DSO, Eurotransplant und Transplantationszenten verbindlich geltenden Richtlinien gemäß den gesetzlichen Bestimmungen des Transplantationsgesetzes.

Es bleibt abzuwarten, ob das heute anstehende Urteil ein unmissverständliches Signal setzt für Ärzte, die über diese Aufnahme von Patienten und damit die Behandlungs- und Überlebenschancen entscheiden. Und welches Signal das sein wird.

Die Richtlinienkompetenz der Bundesärztekammer war und ist seit Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes und bereits im Gesetzgebungsverfahren kritisch zu bewerten und kritisch zu sehen; nicht nur wegen der Regeln, die Patienten eine Abstinenzzeit von 6 Monaten auferlegt bei Alkohol-, Nikotin-, Medikamentenabusus und dehnbare und interpretierbare Faktoren wie “Compliance” als Schranke beim Gate, beim Zugang zu einer Behandlungschance festlegen. Einer Therapiechance, die bei den einen lebensrettend, bei anderen lebensverbessernd sein und wirken kann und würde ...

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