Von unbekannten Feinden belagert?

von Mirko Laudon

Sind Pres­se­ver­tre­ter Wind­hunde? Muss man sie mög­lichst klein hal­ten? Und das Los dar­über ent­schei­den las­sen, ob sie über­haupt im Ge­richts­saal ar­bei­ten kön­nen? Diese Fra­gen stellt die (von mir ge­schätzte) SZ-Gerichtsreporterin An­nette Ra­mels­ber­ger in ei­nem Bei­trag un­ter dem Ti­tel „Von un­be­kann­ten Fein­den be­la­gert“.

Ge­richts­be­richt­er­stat­tung von Geheimprozessen?

Darin ver­tritt die Jour­na­lis­tin die Auf­fas­sung, das Ver­hält­nis zwi­schen Jus­tiz und Öf­fent­lich­keit sei ge­stört. Das Ge­ba­ren ei­nes Be­rufs­stan­des, der „Selbst­kri­tik für eine Krank­heit“ halte, werfe Fra­gen auf. Sie be­klagt, dass im Tugce-Prozess keine ak­tu­elle Be­richt­er­stat­tung mög­lich wäre. Und meint, der Deut­sche Jour­na­lis­ten­ver­band würde diese Um­stände zu­recht kri­ti­sie­ren. Der be­klagt „un­er­träg­li­che Zu­stände“, das Ver­fah­ren würde wie ein „Ge­heim­pro­zess“ ge­führt – und qua­li­fi­ziert un­sere Jus­tiz durch diese Kampf­rhe­to­rik auf Pro­zesse wie zu Nazi– oder DDR-Zeiten herab. Das emp­finde ich als unerträglich!

Was Frau Ra­mels­ber­ger for­dert, ist nichts we­ni­ger, als dass sich die Ge­richte bit­te­schön auf die Jour­na­lis­ten ein­zu­stel­len ha­ben. Bitte keine Ur­teile mehr nach 16:00 Uhr, weil doch um 16:30 Uhr Re­dak­ti­ons­schluss ist. Und nach dem Ur­teils­spruch bitte eine Un­ter­bre­chung, da­mit die Eil­mel­dun­gen live auf die Smart­pho­nes ge­pusht wer­den kön­nen. Als ob das nicht auch eine halbe Stunde län­ger Zeit hätte. Hat die Öf­fent­lich­keit tat­säch­lich ei­nen An­spruch auf eine quasi Live-Berichterstattung oder über­hö­hen Jour­na­lis­ten die ei­gene Stel­lung da­mit nicht etwas?

Ent­kopp­lung der Jus­tiz vom Druck der Öffentlichkeit

Auch Jour­na­lis­ten sind Zu­schauer wie alle an­de­ren. Das wird zu­wei­len ver­ges­sen ...

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