Die intellektuelle Rückabwicklung bei der FAZ

von Oliver García

Ich habe in den letzten zehn, fünfzehn Jahren die FAZ gerne gelesen. Mag sie zu früheren Zeiten den schalen Geruch des allzu “Bürgerlichen” und “Wertkonservativen” verströmt haben, schien die FAZ des 21. Jahrhunderts ideologisch frei, perspektivenreich, kritisch nachfragend in alle Richtungen. Welch ein erfrischender Gegensatz beispielsweise zur TAZ, die nach wie vor “stramm links” ist und meist so vorhersehbar, daß man manchmal in die Tischkannte beißen möchte! Als im vergangenen Jahr der vielleicht klügste Kopf, der hinter der FAZ steckte, – Frank Schirrmacher – jung und plötzlich starb, konnte man sich fragen: Wie wird das die FAZ verändern?

Daß dieser Einschnitt nicht ohne Auswirkungen bleiben konnte, war klar. Aber daß es so knüppeldick kommen würde, war nicht zu erwarten. Fast erscheint es so, daß die Eile, mit der Schirrmachers Name aus der Herausgeberleiste getilgt wurde, keine beiläufige Pietätlosigkeit war. Ausgerechnet zu einem Thema, das Schirrmacher besonders am Herzen lag und dessen Diskussion und intellektuelle Ausleuchtung er auf der Tagesordnung halten wollte – die kulturelle und politische Dimension der digitalen Revolution -, ist sich die heutige FAZ nicht zu schade, einen plumpen Kampagnenjournalismus zu fahren.

Sie schießt seit ein paar Tagen aus allen Rohren, um uns “Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, den Überwachungsstaat zu lieben” schmackhaft zu machen. Den Anfang machte ein Gastbeitrag von Markus Löffelmann mit dem Titel “Kaum betroffen”. Löffelmann ist Richter am LG München I. Zuvor war er Staatsanwalt, was er gemäß dem in Bayern praktizierten Rotationsprinzip mit einiger Sicherheit auch einmal wieder werden wird ...

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